Karl Veitschegger (2002)

 

Teufel und Dämonen - 12 Thesen

Statement aus katholischer Sicht als Diskussionsvorlage für Jugendliche, Mai 2002


 

Dämon im Buddhismus (Tibet)1. Jeder Mensch spürt manchmal, dass es ihn zum Guten oder zum Bösen zieht. In vielen alten Kulturen und Religionen gibt es daher die Vorstellung, dass der Mensch von übermenschlichen Mächten, guten und bösen Geistern, beeinflusst werden kann (vgl. Bild links: Dämonen im Buddhismus).

 

2. Auch moderne Menschen sagen: „Hier herrscht kein guter Geist!" oder „Hier ist der Teufel los!", wenn sie ausdrücken wollen, dass es irgendwo unmenschlich zugeht.

 

3. In der Bibel werden die bösen Mächte Dämonen oder unreine Geister genannt, ihr "Anführer" Satan oder Teufel. Satan (hebräisch) bedeutet Widersacher, Teufel (von griechisch diabolos) heißt Durcheinanderwerfer.

 

4. In den Evangelien wird erzählt, dass diese dunklen Mächte Menschen schädigen, zur Sünde verführen und von Gott abbringen wollen. Sie gelten als Gegenspieler Gottes und der Menschen.

 

5. Die Bibel spricht (wie ihre antike Umwelt) mit großer Selbstverständlichkeit von Dämonen oder „unreinen Geistern", erklärt aber nirgends, was diese eigentlich sind oder wie man sich diese vorstellen soll. Sie schweigt auch darüber, wie sie „entstanden" sind. Menschliche Neugier wird nicht befriedigt.

 

6. Eine jüdische Legende erzählt: Gott hat ursprünglich nur gute Kräfte und Mächte erschaffen: die Engel. Aber einige von ihnen wollten Gott nicht mehr dienen. Sie fielen für immer von ihm ab und arbeiten jetzt gegen Gott und seine Schöpfung. So sind aus guten Kräften böse geworden. Sie sind aber viel schwächer als Gott und können ihn niemals besiegen.

 

7. Der christliche Glaube hat die hoffnungsvolle Grundaussage dieser jüdischen Legende übernommen: Gott ist gut und hat nichts Böses erschaffen. Das Böse ist eine Perversion des Guten. Das Gute ist das Ursprüngliche; es ist auch viel stärker als das Böse und wird sich am Ende sicher durchsetzen.

 

8. „Der Glaube gibt uns die Gewissheit, dass Gott das Böse nicht zuließe, wenn er nicht auf Wegen, die wir erst im ewigen Leben vollständig erkennen werden, sogar aus dem Bösen Gutes hervorgehen ließe." (Katechismus der Katholischen Kirche 324).

 

9. Der Teufel, in der christlichen Tradition Inbegriff des Bösen, ist – bildlich gesprochen – auf der Verliererstraße. Das bedeutet: Wer böse Mittel einsetzt, um schneller sein Glück zu erreichen, täuscht sich. Er wird letztlich verlieren. Der Weg des Guten, auch wenn er manchmal mühsam ist, ist am Ende auch der Weg zum Glück.

 

10. Satanismus ist Unfug. Wer sich übermäßig mit „Satan" und „Dämonen" beschäftigt, kann psychisch großen Schaden erleiden. Teufelsphantasien sind sehr oft Ausdruck von großen Konflikten in der Seele eines Menschen.

 

11. Exorzismus (im katholischen Sinn) ist keine Magie, sondern ein besonderer Gottesdienst mit Gebet um Befreiung eines Menschen, der meint, vom Bösen „besessen" zu sein, wobei die Vorstellungen von „Besessenheit" sehr stark von Kultur und Weltbild abhängig sind. Ein solcher Gottesdienst darf nur mit Erlaubnis des zuständigen Bischofs gehalten werden, um Missbräuche zu vermeiden. Denn was seelisch bedrängten Menschen in einem bestimmten Kulturkreis hilfreich ist, kann in einem anderen kulturellem Zusammenhang Gegenteiliges auslösen. Bevor also zum „Mittel" Exorzismus gegriffen wird, müssen Ärzte und Psychologen konsultiert und um ihre Hilfe gebeten werden. Das schreibt die katholische Kirche ausdrücklich vor.

 

12. Der gläubige Mensch braucht vor dem Teufel keine Angst zu haben. Er muss nicht einmal genau wissen, was der Teufel ist (eine Person wie wir? Oder eher - wie z.B. Joseph Ratzinger meint - eine „Un-Person"? Eine person-zerstörende, letztlich nicht definierbare Kraft?). Jesus Christus ist auf jeden Fall stärker als das Böse. Für Gläubige gilt: „Leistet dem Bösen Widerstand in der Kraft des Glaubens!" (1 Petrus 5,9)

 

Karl Veitschegger (2002)

 

Teufel als Person?

„Wenn man fragt, ob der Teufel Person sei, so müsste man richtigerweise wohl antworten, er sei die Un-Person, die Zersetzung, der Zerfall des Personseins und darum ist es ihm eigentümlich, dass er ohne Gesicht auftritt, dass die Unkenntlichkeit seine eigentliche Stärke ist.“
(Joseph Ratzinger, Abschied vom Teufel?, in: ders., Dogma und Verkündigung, München 1973, S. 225-234, hier S. 224)

 

Bemerkenswert:

Während sich in der Bibel (Altes und Neues Testament, Einheitsübersetzung) 3615 Verse mit dem Wort „Herr", 3138 mit dem Wort „Gott" und 1000 mit dem Wort „Jesus" finden, gibt es insgesamt nur 153 Verse, in denen „Satan", „Teufel", „Dämonen" und „unreine Geister" vorkommen!

 

Martin Luther (1483-1546) beschäftigte sich im Vergleich zu anderen Theologen auffallend oft und intensiv mit dem Teufel: Der Wurf mit dem Tintenfass

 

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