Karl Veitschegger (1999/2006)

 

Apropos Zölibat


Sexuelle Enthaltsamkeit hat viele Facetten und betrifft nicht nur Priester und Ordensleute.  Zitate zum Weiterdenken.

 

"Ich wollte immer heiraten. Leider hat es nie gepasst. Heute lebe ich bewusst allein und versuche das Beste daraus zu machen. Ich habe liebe Freundinnen und Freunde, arbeite im Sozialkreis meiner Pfarre mit und genieße die schönen Seiten des Single-Daseins." (Sekretärin)

 

"Ich bin gern verheiratet und möchte nicht ehelos leben. Aber es gibt auch in der Ehe enthaltsame Zeiten; sie können sehr wertvoll sein und die Liebe sogar stärken." (Frau und Mutter)

 

"Fünf Frauen bedeuten mir sehr viel. Mit einer bin ich gut verheiratet; die Beziehung zu den anderen vier gestalte ich als Zölibatärer." (Publizist)

 

"Jedes sexuelle Bedürfnis auszuleben, wäre destruktiv. Kultivierte Beziehungen fordern von allen Beteiligten ein gewisses Maß an - na sagen wir: Zölibat!" (Sozialarbeiterin und Lebensberaterin)

 

"Zölibatäre Menschen leben nicht anders als die Eheleute, nur dass sie in sich selbst verwirklichen, was die anderen mit Hilfe des anderen zu verwirklichen suchen: die Integration des Männlichen und Weiblichen." (Leonardo Boff, Befreiungstheologe)

 

"In der Psychotherapie gibt es eine Art von Gefühlsbeziehung, die buchstäblich von dem anderen nichts "will", die aber gleichzeitig höchst interessiert an dem Reifen und Wachsen des anderen ist. Schon Sigmund Freud sprach in diesem Zusammenhang von der Enthaltsamkeitsregel." (Eugen Drewermann, Theologe und Psychotherapeut)

 

"Wenn die Enthaltsamkeit keine Flucht vor dem Leben ausdrückt, dann ist sie keineswegs schädlich. Sie muss aber frei ausgewählt sein und auf religiösen Überzeugungen beruhen: alle anderen Motivationen sind zu schwach und verursachen Mangel an innerlicher Einheit, und dadurch die Neurose, welche immer einen moralischen Konflikt austrägt." (C.G. Jung)

 

"Die freiwillige Ehelosigkeit drängt in die Solidarität mit jenen Ehelosen, für die Ehelosigkeit, sprich: ‘keinen Menschen haben’ gerade keine Tugend ist, sondern gesellschaftliches Lebensschicksal; sie drängt zu den in Erwartungslosigkeit und Resignation Eingeschlossenen." (J. B. Metz, Theologe)

 

"Der Bischof ist nur dann berechtigt, einem Diakon bei der Priesterweihe die Hände aufzulegen, wenn der Diakon nach ernster und nüchterner Prüfung zur redlichen Überzeugung gelangt ist, dass der Herr ihm die doppelte Gnadengabe (Priestertum und Zölibat) geschenkt hat." (Kardinal Joseph Höffner)

 

"Um darum [um die Gabe des Zölibats] bitten und sie sich wünschen zu können, muss man sie schon in gewisser Weise in Form einer Verheißung oder Neigung erhalten haben." (Max Thurian, Taize-Mönch)

 

"Diese Heilige Synode bittet nicht nur die Priester, sondern alle Gläubigen, sie möchten sich die kostbare Gabe des priesterlichen Zölibates ein wirkliches Anliegen sein lassen, und alle mögen Gott bitten, dass er dieses Geschenk seiner Kirche stets in Fülle zukommen lasse." (Zweites Vatikanisches Konzil, PO 16)

 

"Keuschheit bedeutet die geglückte Integration der Geschlechtlichkeit in die Person." (Katechismus der katholischen Kirche 2337)

 

"Die katholischen Priester tun das Schlimmste, was ein Mann der sexuellen Leistungsgesellschaft antun kann. Sie tun gar nichts. Sie leben im Zölibat. Die Spießerfrage muss lauten: Sind sie böse, oder sind sie krank?" (Hans Conrad Zander, Schriftsteller)

 

"Die erzwungene Ehelosigkeit eines Priesters wäre ebenso wenig wirklicher Zölibat wie eine erzwungene Eheschließung eine wirkliche Ehe wäre." (Anton Schlembach, Bischof von Speyer)

 

"Man soll keine noch so tief verankerte und begründete Lebensgewohnheit der Kirche [wie es der Zölibat ist] für ganz absolut erklären... Aber ich denke, aus der ganzen Geschichte der abendländischen Christenheit heraus und eben aus der inneren Vision, die dem Ganzen zugrunde liegt, sollte die Kirche nicht glauben, dass sie leicht viel gewinnen wird, wenn sie zu dieser Entkoppelung [von Priesteramt und Zölibat] schreitet; sie wird aber auf jeden Fall verlieren, wenn sie es tut.“ (Kardinal Joseph Ratzinger 1996, jetzt Papst Benedikt XVI.)

 

"Momentan scheint der Zölibat in unserer Weltgegend nicht »in« zu sein. Andererseits schauen gar nicht wenige Europäer mit großer Aufmerksamkeit auf den Dalai Lama und seine buddhistischen Mönche, deren Leben wesentlich vom Zölibat geprägt ist. Müssten da nicht auch die Christen jener Lebensform, die Jesus Christus selbst für sich gewählt hat, wieder neu Beachtung schenken? Oder fasziniert der Zölibat nur in exotischem Gewand?" (K.V.)

 

"Damit [mit dem Zölibat] hatte ich nie Probleme ... Auf den ersten Blick erscheint das Leben der Verheirateten ausgefüllt und attraktiv und das der Zölibatäre armselig. Aber ich glaube, das Leben als Mönch ist ausgeglichener, es gibt weniger Extreme, weniger Höhen und Tiefen. Das sage ich auch immer meinen jungen Mönchen und Nonnen als Trost." (Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, Interview in "Der Zeit", 24.10.1998)

 

"Zölibat muss ein freiwilliges Geschenk an andere und an Gott sein, sonst ist er bedeutungslos." (William Walsh, Bischof von Killaloe in Irland, Radio-Vatikan-Bericht 12.12.2005)

 

"Es muss eine strengere Auswahl in den Priesterseminaren geben und auch eine anspruchsvollere Ausbildung, so dass wir die moralische Gewissheit besitzen, dass sie [die zukünftigen Priester.] über die Voraussetzungen verfügen, um den Zölibat wirklich so zu leben, wie es die Kirche von ihnen erwartet." (Kardinal Cláudio Hummes, Präfekt der röm. Kleruskongregation, 2006)

 

"Beziehungsarbeit, Nestbau und Brutpflege sind immense emotionale Energien, die beim Verheirateten in wenige Menschen investiert werden, und die der Zölibatäre für Gott und Mitmenschen aufbringen kann." (Raphael Bonelli, Psychiater, 2011)

 

Zitate gesammelt von  Karl Veitschegger (1999/2011)

 


Karl Veitschegger © 1999/2006
Aktualisiert: 15. Oktober 2011