Karl Veitschegger 2018

 

Wohin geht die Katholische Kirche in der Steiermark?

Unser Zukunftsbild 2017 und die angedachte Diözesanreform


Kaum war Papst Franziskus im Amt, hat er weltweit zur „Bekehrung der Pastoral“ (conversio pastoralis) aufgerufen: Die Kirche möge sich weniger Sorgen um sich selbst, ihre Organisation, ihre Mitgliederzahl und ihr Image machen, sondern demütiger werden und sich radikal den Menschen zuwenden – wie Jesus. Dieser Aufruf traf auch die Katholische Kirche in der Steiermark.

 

Vom Leben der Menschen ausgehen

Die wichtigste Frage für die Reform unserer Diözese ist nicht: „Was braucht die Kirche?“, sondern: „Was brauchen die Menschen?“ Denn die Kirche ist für den Menschen da, nicht umgekehrt. Dem entspricht auch der erste Leitsatz im Zukunftsbild der steirischen Kirche: „Wir gehen vom Leben der Menschen aus“. Das heißt: Wir wollen die Buntheit der Lebenswirklichkeit ernst nehmen und besser verstehen lernen. Jesus, sein Wort und sein Leben inspirieren uns dabei. Wir wollen jedem Menschen, auch wenn er „anders“ glaubt und lebt, mit Achtsamkeit begegnen. Wir wollen niemanden verurteilen und mit jenen, die es wünschen, gemeinsam nach einem sinnerfüllten Leben suchen – in großem Respekt vor ihrer Freiheit.

 

Gemeinsam suchen – besonders mit den Armen

Wir wollen keine besserwisserische Kirche sein, sondern eine lernende. Darum heißt der zweite Leitsatz: „Wir sind alle auf der Suche nach Gott“. In jedem Menschen, so glauben wir, ist Gott gegenwärtig. Von jedem und mit jedem können wir etwas von der Tiefe des Lebens lernen –  und damit von der Menschenliebe Gottes, die der Kern des Evangeliums ist. Besonders viel können wir von den Armen und Benachteiligten lernen. Sie, die an den Rand gedrängt werden, sind die Lieblinge Gottes. Der Umgang mit Ihnen bringt uns wenig Ansehen, nötigt uns aber zu Demut, Realitätssinn, Risiko, Flexibilität, Solidarität... Gerade durch sie und von ihnen könne wir viel lernen – über Gott, Evangelium, Menschsein... Werden wir den Mut haben, eine „Kirche der Armen“ zu werden? Der dritte Leitsatz im Zukunftsbild ermutigt dazu: „Wir begegnen dem Geheimnis Gottes in der Liebe zu den Armen und Benachteiligten“.

 

Neue Arten, Kirche zu leben

Wenn diese grundsätzliche „Bekehrung der Pastoral“ gelingt, haben auch die anderen Reformvorhaben unseres Bischofs eine Chance: Neue Orte des Kirche-Seins werden entstehen durch Menschen und für Menschen, die mit dem klassischen Pfarrleben wenig anfangen können. Christen und Christinnen werden selbst Verantwortung für die Seelsorge vor Ort übernehmen und sich gezielt für eine humanere Gesellschaft einsetzen. Die Errichtung größerer „Seelsorgeräume“ kann ein neues Miteinander und eine buntere Vielfalt von Berufungen, Gemeinden, Gottesdiensten und gelebter Nächstenliebe fördern. Fairere Formen der Zusammenarbeit von Priestern und Laien, Männern und Frauen, Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen werden dann möglich sein. Das gilt auch für neue Formen der Leitung und Koordination in der Kirche. Bei allem kirchlichen Tun wird verstärkt auf Qualität geachtet werden.

 

Vieles wird sterben, Neues kommen

Freilich wird auch viel Liebgewordenes in den nächsten Jahren sterben. Das wird manchen sehr weh tun, andere entlasten. Zugleich wird Neues, das heutigen Menschen besser entspricht, entstehen. Die Kirche wird in unserem Land zahlenmäßig wohl noch kleiner werden, aber sie kann ehrlicher, demütiger und glaubwürdiger werden – und so ihrem Meister ähnlicher, „der nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen.“ (Mt 20,28)

 

Karl Veitschegger,

Mitglied der Arbeitsgruppe Zukunftsbild (Sommer 2017 bis Sommer 2018)

 

Den gesamten Text des Zukunftsbildes der katholischen Kirche Steiermark finden sie auf der Homepage der Diözese: www.katholische-kirche-steiermark.at/specials/zukunftsbild

 

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