Radio in Oberösterreich
 

über die sendetechnische Entwicklung des Rundfunks in OÖ.





1945 - Neubeginn
Der "Reichssender" Linz sendete auf 1267 kHz bis Kriegsende am 5. Mai 1945. Während die Studios durch die Bombenangriffe weitgehend zerstört wurden, blieb die Sendeanlage am Freinberg intakt. Die von der SS vorbereitete Sprengung des Senders konnte durch das listreiche Vorgehen einiger Rundfunktechniker vereitelt werden.

Der Sendemast auf dem Freinberg 2005

Drei Wochen später nahmen die Amerikaner den Sendebetrieb wieder auf - allerdings nur mit halber Leistung (= ca. 7 kW). Die Sender der amerikanischen Zone in Österreich (Salzburg, Linz, Wien) bildeten fortan die Sendergruppe "Rot-Weiß-Rot". Das Programm kam anfänglich großteils aus Salzburg, wo die Amerikaner ihr Hauptquartier aufgeschlagen hatten. Erst nach und nach wurde auch in Linz ein Studiobetrieb eingerichtet, wofür die Landesregierung Räumlichkeiten im Landhaus zur Verfügung stellte.

Im August 1945 wurde die Frequenz auf 1294 kHz - eine "Exklusivfrequenz" - geändert. Am 15. März 1950 wurde erneut die Frequenz auf 1394 kHz geändert. Da schon seit 1939 die Abstimmung der Antenne mit der Frequenz nicht mehr optimal zusammen passte und mit der erneuten Erhöhung noch ungünstiger wurde, kürzte man im Sommer 1950 den Antennenmast auf 120 m. Während der Umbauarbeiten kam ein 1,5 kW-Reservesender mit Behelfsantenne zum Einsatz.

 
Nach Gründung des Österreichischen Rundfunks durch Vereinigung von Radio Wien mit den Sendergruppen "Rot-Weiß-Rot" und Alpenland (Die Landessender Innsbruck und Dornbirn folgten erst 1955) am 18. Juli 1954 sollte die Frequenz auf 520 kHz geändert werden, was aber offensichtlich durch die Kürzung des Sendemastes sehr ungünstig gewesen wäre und daher unterblieb. Man blieb daher auf 1394 kHz, was zu ernsthaften Störungen mit dem auf der gleichen Frequenz sendenden Station Graz-St. Peter führte, welcher im Winter 1954/55 sogar tagsüber den Betrieb einstellen musste, um den Sender Linz nicht zu stören.

Am 26. August 1955 konnte man auf 890 kHz wechseln, da der US-Armeesender KOFA („Blue Danube Network“), welcher bis 1955 auf 881 kHz und 1955 auf 890 kHz sendete, am 14. August 1955 den Betrieb eingestellt hatte. Die neue Frequenz erwies sich zumindest tagsüber als geeignet, um in nahezu ganz Oberösterreich ein gutes Signal zu bewirken. Nachts verursachten aber Sender in der Ukraine und in Algier, die auf der gleichen Frequenz sendeten, arge Störungen in jenen Regionen des Bundeslandes, die weiter als 20 km von Linz entfernt lagen. Dennoch blieb man mangels besserer Alternativen bis zur Einstellung des MW-Sendebetriebes von "Österreich-Regional", wie sich das Zweite Programm damals nannte, im September 1977 auf 890 kHz.

Im Oktober 1957 wurde der Sendemast einer umfassenden Renovierung unterzogen. Währenddessen musste das Programm über einen 1 kW-Ersatzsender und Behelfsantenne ausgestrahlt wurde, was zu zahlreichen Beschwerden führte, da der Sender über eine wesentlich geringere Reichweite verfügte. Bei dieser Renovierung bekam der Mast offenbar wieder einen "Aufbau" zur besseren Anpassung an die Sendefrequenz und misst seitdem 146 m. 1965 wurde der Telefunkensender - Baujahr 1925 - gegen zwei neue Sender zu je 10 kW ausgetauscht, die parallel betrieben wurden.

Der Ende der 1940er-Jahre einsetzende "Kalte Krieg" veranlasste die die Amerikaner dazu, die russische Besatzungszone (das heutige Niederösterreich, ein Teil von Wien, das Burgenland und Oberösterreich nördlich der Donau) verstärkt mit ihren Programmen zu versorgen. In Wien wurde im August 1951 auf dem Wilhelminenberg (im Westen von Wien gelegen) ein Sender in Betrieb genommen, der jedoch anfangs nur mit verminderter Leistung arbeiten durfte (20 kW statt geplanten 100 kW), um die anderen - schwächeren - Wiener Sender nicht zu stören.

 
1952 - Der größte Sender Österreichs in Kronstorf
In Oberösterreich planten die Amerikaner den Bau einer Großsendeanlage mit Richtantenne bei Kronstorf direkt der Grenze zu Niederösterreich, das von den Sowjets besetzt war. Nach ursprünglichen Plänen sollte sie aus 4 Masten (1 x 300 m, 3 x 160 m) bestehen; die Sendeleistung sollte 120 kW betragen. Im August 1950 war Baubeginn für eine 3-Mast-Anlage (1 x 274 m, 2 x 137 m). Während die gesamte Sendetechnik aus den USA kam (Sender vom Hersteller "Westinghouse" in Pittsburgh), wurden die Masten und das Sendergebäude - in einer Zeitung als "Holzhütte" mit Teerpappendach bezeichnet - von lokalen Firmen errichtet. Die Mastteile kamen aber auch aus den USA. Der mittlere Sendemast war der damals höchste in Westeuropa (in Osteuropa standen 3 höhere), die Sendeanlage die größte jemals in Österreich bestehende. Am 1. März 1952 wurde auf 773 kHz mit 50 kW der Sendebetrieb aufgenommen, am 27. Oktober 1952 wurde die Leistung auf 100 kW erhöht.

Die Österreichische Nationalbibliothek besitzt in ihrem Online-Bildarchiv eine Reihe von Aufnahmen aus der Zeit der Errichtung der Sendeanlage in Kronstorf:
Historische Bilder von der Sendeanlage:

Suchbegriff: Kronstorf
Bilder vom Bau der Fundamente im Juni 1951.
Suchbegriff: US9698
Aufnahmen während des Probebetriebes im Frühjahr 1952 (inklusive Luftaufnahmen der Gesamtanlage)
ACHTUNG: Zur Ansicht der Serie auf das rechte Symbol (Bildserie) unter dem zuerst angezeigten Bild klicken.

In Oberösterreich gab es aber bald Ärger. Ab Juni 1952 war das Programm der Sendergruppe "Rot-Weiß-Rot" nur mehr über die Sendeanlage Kronstorf zu hören. Diese hatte aber eine ausgeprägte Richtwirkung nach Osten. Die Folge war, dass wegen des schwachen Signals zahlreiche Beschwerden aus den westlichen und nördlichen Landesteilen von Oberösterreich kamen. Gerade Linz lag in jener Richtung, in der die Antennenanlage die größte Signalabschwächung aufwies, wodurch die Feldstärke wesentlich geringer war und elektrostatische Störungen plötzlich zum Problem wurden. Zusätzlich kam es in Linz bei älteren und einfachen Radioapparaten zu starken Interferenzstörungen mit dem Linzer US-Armeesender KOFA, welcher seit 1950 auf 881 kHz sendete (Leistungsangaben schwanken zwischen 750 Watt und 1 kW; vor 1950 wurde auf 629 kHz gesendet, 1950 kurzzeitig auf 773 kHz). Die Situation verschlimmerte sich noch, als ab November 1952 der Freinberg-Sender auf 890 kHz mit 5 kW das Programm von KOFA ausstrahlte. Wegen der Störungen wurde aber offensichtlich wieder auf die alte 1 kW-Sendeanlage auf 881 kHz gewechselt, wie aus Sendertabellen dieser Zeit hervor geht.
Am 15. März 1954 wurde die Sendergruppe "Rot-Weiß-Rot" an den Österreichischen Rundfunk übergeben. Es erfolgte eine Neuordnung der Programme und der Frequenzen. Der Sender Kronstorf wechselte am 18. Juli 1954 von 773 auf 584 kHz und strahlte das 1. Programm aus.
 
Doch nach dem Abzug der Alliierten war die riesige Sendeanlage in Kronstorf ohne praktischen Nutzen. Sie wurde daher in der zweiten Jahreshälfte 1956 bis auf den Nordmast (137 m) demontiert. Die beiden zerlegten Maste (Südmast 137 m, Mittelmast 274 m) wurden für die Erneuerung des im Krieg zerstörten Senders Bisamberg bei Wien verwendet, welcher 1959 mit 2 x 150 kW (Nominalleistung, tatsächlich 4 x 120 kW) in Betrieb ging. Die beiden wieder aufgebauten Maste - jetzt 265 und 120 m hoch - stehen auch heute noch dort. Am 6. November 1955 wechselte der Sender Kronstorf auf 1025 kHz. Dabei blieb es bis zur Betriebseinstellung im März 1994.
Ein Grund für den Abbau der beiden Maste in Kronstorf war auch ein Rechtsstreit, der nach der Vertragskündigung durch die Amerikaner am 11. November 1955 ausgetragen wurde. Die insgesamt 38 Hektar Land für die Anlage pachteten die Amerikaner von den Bauern zu einem Fixbetrag. Durch die Inflation war der Pachtbetrag bald geringer als der entgangene Fruchtertrag. Die Übergabe der Sendeanlage an den Österreichischen Rundfunk wurde daher genützt, um eine Entschädigung so wie einen Abbau der Sendeanlage zu fordern. Im Vertrag mit den Amerikanern war nämlich angeführt, das die Sendeanlage abzubauen wäre, wenn sie nicht mehr benötigt würde. Der Österreichische Rundfunk einigte sich mit den Grundbesitzern darauf, nur den einen benötigten Sendemast stehen zu lassen und für die dafür beanspruchte 6 Hektar große Grundfläche einen angemessenen Pachtzins zu zahlen.
 
1995 - Das Ende des "Mittelwellen-Zeitalters"
Zeitweise wurde der Standort Kronstorf auch für Kurzwellensendungen eingesetzt. Diese Sendungen begannen im Dezember 1954 mit einem 4 kW-Sender. Die Sendungen ab Kronstorf erfolgten bis 1967, als der Betrieb der Kurzwellenstation in Moosbrunn voll angelaufen war.
Noch anfangs der 70er-Jahre war die Mittelwelle in Österreich recht populär. Der ORF plante sogar eine Erneuerung und Verstärkung der Sendeanlagen. In Wien-Bisamberg wurde 1975 ein neuer 600 kW-Sender installiert. Für Kronstorf wurde 1976 ein neuer 137m-Mast bei der VOEST in Linz nur angefragt. Die Sendeleistung sollte
bei der geplanten Erneuerung der Sendeanlage auf 300 kW erhöht werden.

Denn insgesamt war die Versorgung des Gebirgslandes Österreichs mit Rundfunk auf MW ein Problem. Ab 1953 versuchte man, mit vielen Kleinsendern, die Sendeleitungen von meist 50 Watt, vereinzelt auch 100 bzw. 200 Watt besaßen, zumindest die größeren Orte im Gebirge und in Randgebieten wie dem Innviertel oder dem oberen Mühlviertel zu einem vernünftigen Signal zu verhelfen. Diese Sender waren allerdings nur wenige Kilometer weit störungsfrei zu empfangen. 1968 wurde mit 97 MW-Kleinsendeanlagen, meist mit 2 Sendern für Ö1 und Ö-Regional ausgestattet, der Höchststand erreicht. Wegen der oft ungenügenden Reichweite wurden etliche Anlagen auch schnell wieder außer Betrieb gesetzt. 1971 gab es z.B. nur mehr 86 MW-Kleinsendeanlagen. Parallel dazu wurde der Ausbau des UKW-Sendernetzes zügig vorangetrieben. UKW zeigte sich im Gebirge als wesentlich effektiver als die Mittelwelle. Außerdem konnte man als Sendestandorte die bereits vorhandenen Fernsehsendeanlagen benützen. Inzwischen hatten auch schon nahezu alle verkauften Rundfunkgeräte einen UKW-Teil. Mit der Parallelausstrahlung der Programme auf UKW wurden daher die MW-Hörer immer weniger.
Das Ende der in Österreich ineffizienten Mittelwellensender war daher nur eine Frage der Zeit. Am 5. September 1977 wurde die Mittelwellen-Ausstrahlung von Österreich-Regional eingestellt. Zwischen 1981 und 1984 wurde der Großteil der übrigen MW-Kleinsender abgeschaltet. Ab 1984 wurde nur noch ein Mischprogramm aus Ö1 und Ö-Regional über drei Sender (Wien-Bisamberg, Dornbirn-Lauterach und Kronstorf) ausgestrahlt. Schließlich war der Sender Kronstorf nur mehr nachts in Betrieb und im März 1994 wurde der Sender endgültig abgeschaltet.

Am 25. Jänner 1995 wurde der Sendemast in Kronstorf wegen Baufälligkeit "gefällt". Der Sender und einige Nebenanlagen landeten im Technischen Museum in Wien und sollen dort in naher Zukunft in einer eigenen Abteilung für Rundfunktechnik ausgestellt werden.
 
Die beiden anderen Sender in Wien und Dornbirn wurden am 1. Jänner 1995 abgeschaltet. Der Antennenmast bei Dornbirn dient jedoch weiter als Träger für UKW- und TV-Sendeantennen.
Der Sender Wien-Bisamberg wurde am 21. März 1997 wieder aktiviert, wobei mit 60kW ein Mischprogramm aus Ö1, ROI und verschiedenen gemeinnützigen Organisationen gesendet wird. Im Sommer 1999 wurde sogar der 600kW-Sender wieder aktiviert, um unter dem Titel "Nachbar in Not" Programme ins Kriegsgebiet Jugoslawiens auszustrahlen.
Gegen Ende des Jahres 2000 wurde am Bisamberg ein neuer 100kW Sender (transistorisiert und luftgekühlt) installiert, da den bisher verwendeten schon etwas altersschwachen 120kW-Sender zu ersetzen. Der neue Sender ist derzeit mit verminderter Leistung von 60kW in Betrieb und sendet täglich ab 18 Uhr.
 

1953 - Beginn des UKW-Rundfunks

Links dazu

letzte Änderung: 16.04.2007

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