"Man glaubt für gewöhnlich, es gäbe keine Steigerungsform von tot. Dies gibt´s aber doch: ausgestorben!" (Martin Kessel)
Diese Seite soll
einen Überblick über den Stand der Erhaltungszucht der
vom Aussterben bedrohten Rasse Waldschaf
sowie über die
besonderen Eigenschaften und Produkte der Waldschafe geben. Es wird beabsichtigt, die Seite mindestens
vier mal im Jahr zu
aktualisieren bzw. um neue Informationen zu erweitern.
Erstmalige Veröffentlichung: Oktober 1999; letzte Aktualisierung: Mai 2010
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Zentrales Abstammungsbuch für Waldschafe
Arbeitsgemeinschaft Generhaltungszucht Waldschaf
in
Zusammenarbeit mit dem
Schafzuchtverband Oberösterreich
copyright: Kjäer 2002-2010
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Später sollen noch weitere Informationen
dazukommen, z.B. Beschreibung der gefundenen Waldschaf-Urpopulationen
Das Programm zur Erhaltung der genetischen Vielfalt der Schafrasse Waldschaf (auch Zaupelschaf, Böhmerwaldschaf, Bayernwaldschaf, Bavarian Forest Sheep, Sumavska-ovce) hat zum Ziel, die gesamte noch vorhandene genetische Breite innerhalb der Rasse nach Möglichkeit als lebende Genreserve für die Zukunft zu erhalten. Tiere mit Erbfehlern sowie nicht rassetypische Tiere oder solche mit eindeutig schlechter Veranlagung sind von der Zucht auszuschließen.
Das Waldschaf ist ein kleines bis
mittelgroßes, meist weißes Schaf; es kommen aber auch schwarze,
graue, braune oder fallweise gescheckte Tiere vor. An den
unbewollten Stellen, besonders am Kopf, treten bei den weißen
Schafen oft dunkle Pigmentflecken auf.
Der Kopf mit bewollter Stirn ist meist gerade, bei den Widdern
gerade bis leicht geramst. Die Tiere tragen ihre kleinen Ohren
beinahe waagrecht abstehend (keine Schlappohren). Beide
Geschlechter können sowohl behornt als auch unbehornt sein.
Waldschafe sind feingliedrig und haben einen langen, bewollten
Schwanz.
Es wird ausdrücklich Wert darauf gelegt, die große
Variabilität im Exterieur, die durch die verschiedenen
Urpopulationen (Schläge) bedingt ist, zu
erhalten (Das typische Waldschaf ist ein untypisches!)!
Charakteristisch für viele alte Rassen und auch für das Waldschaf ist die Mischwolle. Sie besteht aus dem groben Kurzhaar (Kemp), dem Lang- oder Grannenhaar (Heterotype) und den sehr feinen Wollfasern (Wool fibres), die den Hauptanteil bilden. Im Unterschied zu anderen alten Rassen (z.B. Steinschaf, Tiroler Steinschaf, Brillenschaf oder Krainer Steinschaf) weisen die vom Zaupelschaf abstammenden Waldschafe in ihrer Mischwolle einen relativ hohen Anteil an Wollfasern auf.
Waldschafe haben einen asaisonalen
Brunstzyklus mit Schwerpunkt der Geburten im Winter. Sie lammen
meist 3 mal in 2 Jahren, zum Teil auch 2 mal im Jahr. Die
Fruchtbarkeit beträgt ca. 180 %.
Ausgewachsene Widder wiegen ungefähr 55 - 80 kg und die
Mutterschafe etwa 35 - 60 kg. Die Tiere sind besonders
leichtfuttrig und zeichnen sich durch Robustheit, Wetterhärte,
Leichtlammigkeit und Krankheitsunanfälligkeit aus. Die
Muttereigenschaften sind sehr gut, sodass die Aufzuchtrate
beachtlich hoch ist.
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet reicht vom Waldviertel über das Mühlviertel, den Böhmerwald bis zum Bayerischen Wald. Ehemals waren sie auch in den voralpinen Regionen Bayerns beheimatet.
Bisher durchgeführte Erhaltungsmaßnahmen:
In den späten 80er Jahren wurden in Bayern die letzten Lebendbestände von Waldschafen zusammengesucht. Insgesamt konnten 10 Restbestände gefunden werden, aus denen ca. 60 Tiere in die Zucht gingen. Weiters wurde eine Herde von 15 Schafen und 3 Böcken von Sumavka-Schafen aus der Tschechoslowakei (Javorna) nach Bayern importiert. In den späten 90er-Jahren wurden in Österreich noch 6 weitere Restpopulationen (z.T. nur Einzeltiere) entdeckt, sodass die Ausgangsbasis ca. 100 Tiere beträgt, wobei allerdings die Tiere aus je einer Linie wahrscheinlich sehr eng untereinander verwandt sind.
Es konnte erreicht werden, dass das Waldschaf als eigene Rasse anerkannt wurde und seitdem in mehreren Herdbüchern geführt wird. Eine im Sinne der Generhaltung kontrollierte Zucht fand jedoch bis 1998 nicht statt. In den Jahren 1996 bis 1999 wurde ein zentrales Abstammungsbuch (PC-Programm OPTIMATE von der Tierärztlichen Hochschule Hannover) aufgebaut, in dem mittlerweile die österreichischen Herdbuchtiere zur Gänze und die bayrischen Herdbuchtiere nur zum Teil registriert sind.
Mit Hilfe dieses Programms musste
festgestellt werden, dass bis zum Jahr 1999 trotz erstaunlich gestiegener
Zahl von Herdbuchtieren eine unnötig hohe Inzuchtsteigerung und
damit eine stetige Abnahme der effektiven Population zu
verzeichnen war. Die Gründe dafür lagen in der Zuchtauswahl
nach herkömmlichen Leistungskriterien sowie den Körungen und
Prämierungen, durch die der ohnehin schon kritisch kleine Restbestand immer mehr unter Selektionsdruck
geriet. Das bedeutete wiederum den Verlust genetischer
Vielfalt. Es entstand so eine Situation, in der die Inzuchtsteigerung von
Generation zu Generation einen Wert von ca. 2,5% erreichte, was deutlich über
dem Maximalwert von 1% lag. Dieser darf nach Auffassung der Populationsgenetik bei der
Erhaltung bedrohter Haustierrassen dauerhaft nicht überschritten werden.
Anders ausgedrückt betrug die effektive Population nur ca. 20, weit weniger als
die für die Erhaltung nötige 50.
Die Lage entspannt sich
Diese bedrohliche Situation veranlasste immer mehr Waldschafzüchter, nach Auswegen zu suchen. Es kristallisierte sich heraus, dass nur mit einem straff durchorganisierten Erhaltungsprogramm eine zielführende Erhaltungszucht sinnvoll und möglich ist. Dazu kam, dass im neuen österreichischen Förderungsprogramm ÖPUL 2000 ab Jänner 2001 eine erhöhte Förderung für die Erhaltung bedrohter Haustierrassen vorgesehen ist, die genau diese Vorgehensweise von den Züchtern verlangt. Dies bedeutet allerdings eine Zweiteilung der Züchter in eine Gruppe mit dem Ziel der Generhaltung und eine zweite Gruppe mit anderen Zuchtzielen. Entgegen den Befürchtungen, dass das zu einer Verschärfung der Situation führen würde, konnte festgestellt werden, dass sich die Lage deutlich entspannte. Folgende Gründe sind dafür verantwortlich:
Populationsdaten Stand Mai 2009:
Nachdem schon in den letzten Jahren eine sehr hoffnungsvolle Entwicklung der Populationsdaten festgestellt werden konnte und daraufhin der maximale Inzuchtkoeffizient für neue Zuchtlämmer auf 5% hinaufgesetzt wurde, kann nach der Auswertung der aktuellen Daten eine weitere Entspannung der Lage beobachtet werden.
Auch jetzt liegt die effektive Population deutlich über dem kritischen Wert von 50, was einer Inzuchtsteigerung von weit weniger als 1% entspricht!
Derzeit nehmen 82 Züchter mit ca. 890 Tieren an dem Generhaltungsprogramm teil, Tendenz weiter steigend.
Die Bemühungen der letzten Jahre zeigen also sehr erfreuliche Ergebnisse! Sollten keine unvorhergesehenen Ereignisse geschehen (z.B. Schafseuche), so scheint eine (Lebend-)Erhaltung der Rasse Waldschaf bei konsequenter Fortführung der Generhaltungsmaßnahmen gesichert.
Weitere Maßnahmen:
Anhand der im Programm OPTIMATE erfassten Abstammungen wurden bisher 30 männliche Tiere mit z.T. großer Verwandtschaftsdistanz für das Genreserveprogramm des Institutes für biologische Landwirtschaft ausgesucht und zur Samengewinnung zwecks Kryokonservierung bereitgestellt.
Im oberösterreichischen Mühlviertel wurde von der önj Haslach und zwei weiteren Bauern ein EU Ziel-5b-Projekt zur Wiederansiedlung der Waldschafe eingereicht und durchgeführt.
Um eine möglichst umfassende Information der ZüchterInnen über den Stand der Zucht, notwendige Erhaltungsmaßnahmen, Vermarktungsmöglichkeiten sowie einen weitreichenden Erfahrungsaustausch zu gewährleisten, wird ein regelmäßig erscheinendes Informationsblatt (Waldschaf-Kurier) an alle Herdbuchzüchter und Interessierte ausgesandt.
Die Waldschafe verfügen über eine Vielzahl von meist nicht oder nur schwer quantifizierbaren Leistungsmerkmalen, die es zu erhalten gilt. Dabei handelt es sich besonders um Qualitäten wie:
* Anspruchslosigkeit und beste Grundfutterverwertung
* Eignung zur Landschafts- und Biotoppflege
* Asaisonalität
* Leichtlammigkeit
* sehr gute Muttereigenschaften (hohe Aufzuchtrate)
* hohe Lebensfruchtbarkeit
* Fleischqualität
* Krankheits- und Parasitenunanfälligkeit
* unempfindliche Klauen
* unempfindliche Euter
* Witterungsunempfindlichkeit
* Pigmentierung der unbewollten Körperteile
* Fellfarben (weiß, gescheckt, schwarz)
* Wollqualität (Mischwolle!)
Die ZüchterInnen beobachten diese besonderen Fähigkeiten und versuchen sie zu dokumentieren, um ein Bild über die Leistungsbreite der Waldschafe zu gewinnen.
Damit die Erhaltung der ursprünglichen Eigenschaften gefördert wird, ist einer in-situ Haltung (d.h. nach Möglichkeit unter Bedingungen, wie und wo die Tiere früher gehalten wurden: klimatisch, Fütterung etc.) unbedingt der Vorzug zu geben.
Waldschafe eignen sich somit hervorragend für die Grünlandpflege, die extensive und die biologische Kleinlandwirtschaft in den "benachteiligten" Gebieten der Mittelgebirgsregionen mit rauem Klima. Hierbei bietet sich die Waldschafhaltung als Alternative für die nicht mit großem maschinellen Einsatz bewirtschaftbaren kleinstrukturierten und meist im Nebenerwerb geführten Landwirtschaften an.
ArGe Waldschaf (Arbeitsgemeinschaft Generhaltungszucht Waldschaf)
H. Kjäer Dipl.Ing.
Kriegwald 18
A-4162 Julbach,
Tel: 07288 8535 FAX: 0732 2100 223 221
Mail: waldschafe @ aon.at
Landesverband für Schafzucht in Oberösterreich, Auf der Gugl 3,
A-4021 Linz, Tel. 0732 6902
Österreichische Naturschutzjugend Haslach (önj)
Österreichische Nationalvereinigung für Generserven (ÖNGENE) ,
OEPUL 2007-2012 Foerderungen und Voraussetzungen
GEH (Gesellschaft zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen Deutschland)
Geschichte des Waldschafes, gestaltet von der deutschen GEH
Informationszentrum für Genetische Ressourcen (IGR) Deutschland
Innung der Kleidermacher Oberösterreich, Adressen von Tweed-Verarbeitern
Versand - Maßschneiderei MAILE
European Association for Animal Production (EAAP), Animal Genetic Data Bank
Schafzuchtverband Oberösterreich
Textilwerkstatt Haslach, Waldschaftweed
Verein zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen (VEGH)
www.muehlvierteln.at , Spezialitätenkoch aus dem Mühlviertel