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Ich sah sie in einer Tanzschule.
Sie gefiel mir außerordentlich. Wir tanzten.
Auf ihrem Heimweg dufte ich sie begleiten.
Ihren Blick nach der ersten halben
Straßenbahnhaltestelle werde ich nie vergessen.
Ab diesem Zeitpunkt konnte ich nur noch an sie denken.

Wir trafen uns immer öfter, dann mit Ausnahmen täglich,
von fünf Uhr nachmittags bis zur letzten Straßenbahn.
Wir gingen spazieren in der Stadt, in Parks, saßen in
Espressos, Kaffeehäusern, sprachen viel miteinander.
Über unsere Berufe konnten wir uns gut verständigen.
Ihre Fachgebiete waren Mathematik und Physik,
mein Gebiet ist Technik. Unsere Gespräche führten
auch in den philosophischen Bereich.
An freien Tagen lagen wir in der Sonne, wir segelten,
wir tauchten. Wir gingen oft auf Berge, ausgerüstet
zum Campieren. Im Winter schliefen wir auch im Schnee
im Zelt, nur so zum Spaß.
Nach vier Jahren heirateten wir.
Trauzeugen waren unsere besten Freunde.



Das mit dem Ende der Hochzeitsreise oft langsam
beginnende alltägliche Einerlei hat bei uns nie begonnen.
Inge hat es verstanden täglich unzählige Male, zum Teil
ernste, zum Teil heitere und zu Teil als Spaß gemeinte
Streicheleinheiten zu geben. Sie wurden im Laufe der
Jahre nicht weniger.
Selbstverständlich gab es auch Streit, manchmal heftigen.
Aber erst heute weiß ich, je mehr man liebt, um so
geringfügigere Sachen können zu Streit führen.

Die Bucht von Salerno war einige Zeit unsere zweite
Heimat, und wir hatten da Freunde.

Wir fuhren mit unserem Auto in die Sahara.

Auf langen Autobahnen oder Straßen, oder während
einer Rast in menschenleerer Gegend, entstand oft
das Gefühl, ich wäre daheim.
Ich hatte alles was ich brauchte.
Inge, meine Frau,
wie sie denkt, wie sie spricht, wie sie ist.

Inge hatte ihre Hobbys, ich meine.
Dennoch schien mir, aus unserem auf einander
Ausgerichtetsein, in einem Meter Abstand um uns,
so etwas wie eine unsichtbare Wand zu entstehen,
die uns schützte und innerhalb deren Umkreis
alles gut war.

War Inge einige Stunden unterwegs und sie
kam dann wieder, war das als ginge die Sonne auf.

Unsere Kosenamen waren der Umwelt verborgen,
sie sollen es weiterhin bleiben.



Danke, dass ich das alles erleben durfte.




Es war Dezember 1993.
Ich sah Inge mir zuwinken, dann schloss sie unser
Tor von außen, und ging.

Sie kam nicht zurück.
Die Krankheit ließ es nicht zu.

 

 

 

In der Site "Realm Of Ladyhawk" habe ich eine Stelle
indianischer Poesie gefunden deren Aussage ich hier
wiedergeben will:



Stehe nicht an meinem Grab und weine,
ich bin nicht dort, ich starb nicht.
Ich bin tausend Winde die brausen.
Ich bin die Sonne auf reifendem Korn.
Ich bin die Sterne die scheinen in der Nacht.
Ich bin der sanfte Herbstregen in der Stille des Morgens.
Ich bin die ruhigen Vögel im Kreisflug.
Ich bin die Kristalle auf dem Schnee.
Stehe nicht an meinem Grab und schreie,
ich bin nicht dort, ich starb nicht.





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Diese Seite ist entstanden aus dem Wunsch, alles Gute
das war, nicht nur Vergangenheit sein zu lassen.
Ich weiß, ich sollte mich mehr von dem, was war, lösen.
Kann sein, diese Seite verstärkt meine Gedanken an die
Vergangenheit. Kann aber auch sein, dass mit dem
Festschreiben der Vergangenheit größerer Abstand zu
erreichen ist. Es stellt sich die Frage, wie weit soll und
darf ich das?







Danke fürs Lesen

 

 

 

 

 

 

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