Die Geschichte der Feste Kaja

 

 

1041    eroberte Markgraf Adalbert das sogenannte slawische Dorf bei Gars/Kamp. Die Babenberger stoßen nach Norden vor. Zwischen Pulkau und Thaya wird die "Böhmische Mark" gegründet, die von Frain bis Falkenstein reichte. Ein Vorläufer der Burg Kaja, die prähistorische Anlage "im hl. Land" gehörte zur Burgkette, die von Frain über Hardegg, Seefeld, Mailberg, Laa, Staats bis Falkenstein (letzteres erbaut 1050) reichte und die "Böhmische Mark" mit der "Ostmark" vereinigte.

1056    Azzo von Kuenring, Stammvater des Kuenringer-Ministerialgeschlechtes, aus dem die Herren von Kaja (chiower) hervorgingen, hatte seinen Sitz im heutigen Kühnring (bei Eggenburg). Er erhielt vom Kaiser Heinrich III. drei Krönungshufen Land geschenkt.

1132    Sein Sohn Adelot von Tige (Allensteig) und

1150    sein Enkel Heinrich von Kamegg sowie dessen Sohn Hartung von Kaja waren die ersten Herren des Kuenringergeschlechtes auf Kaja und nannten sich fortan nach dieser Burg, zeitweise auch nach Kamegg. Die Herren von Kaja waren ein bedeutendes Geschlecht, sie waren Lehensleute der Babenberger Landesfürsten und erschienen häufig als Zeugen auf Urkunden der Babenbergerherzöge. An der Besiedelung des Waldviertels hat das Geschlecht derer von Kaja wesentlichen Anteil.

05.03.1196    Herzog Friedrich I. (1184-1198) besuchte mit glänzendem Gefolge die Feste Kaja und stellte hier (in Gegenwart von 30 Adeligen und 24 Rittern) eine Urkunde aus, in welcher er dem Kloster Osterhofen (Bayern) des Mautrecht verlieh. Zeugen waren Adelhold, Otto und Hartung von Kaja.

1227    Heinrich von Kaja tjosierte mit Ulrich von Lichtenstein auf dessen berühmter Venusfahrt von Mestre über Kärnten und Steiermark, wobei Ulrich jedem Ritter, der mit ihm eine Lanze zerstach ein goldenes Ringlein schenkte. Von diesem Zweikampf singt Ulrich von Lichtenstein in folgendem Lied:

"Do kom der starke man von kyowe (Kaja) unde rande mich an; sin sper durch den schilt min stach, daz man vil verre hort den krach ...".
1231    Die Herren von Kaja nehmen am fehlgeschlagenen Adelsaufstand gegen Herzog Friedrich II. den Streitbaren (1230-1246) unter Führung der Kuenringer teil.

1252 - 1278    König Ottokar II. von Böhmen urkundet öfters auf Burg Kaja (OÖ Urkundenbuch). Diese häufigen Besuche des Böhmenkönigs verhelfen der Burg zum Namen "Ottokarische Kaja".

1267    Ein Chiower weilt am Sterbebett Margaretes von Babenberg, der verstoßenen Gattin König Ottokars, auf Burg Krumau am Kamp.

1317    Die Burg fällt in die Hände der böhmischen Adeligen Heinrich (Hinz) und Johann von Lippa. Die Sage von Hinz, dem Teufel auf der Kajaburg, die vor allem in Südmähren sehr verbreitet gewesen ist, entsteht. Kaja gerät zeitweilig in den Ruf einer Raubritterburg.

1345    Erstmals erscheint der Name des Niklas von Kaja, der die Burg 1360 verkaufte.

21.04.1360    Nicklas von Kaja verkaufte die Feste an den Landesfürsten, Habsburgerherzog Rudolf IV. den Stifter (1358-1365). Die Urkunde bezeichnet die Burg als mit Wasser umfangen. Die Herren von Kaja sterben erst 1480 mit Siegfried von Kaja aus.

1376    Die Habsburger Landesherren geben die Burg als Pfandlehen an die Hardegger.

1388    Der Pfandbesitzer von Kaja, Graf Burkhard der Jüngere von Maidburg und Hardegg (Kanzler Kaiser Karls IV.), stirbt auf Kaja, nachdem er dort 12 Jahre lang gewohnt hatte. Im selben Jahr erbaute Markgraf Johann von Mähren Burg Neuhäusl am mährischen Thaya-Ufer als Gegenstück zu Kaja.

Ab 1419    Verwüstung der Burg durch Husitteneinfälle.

(Johann Hus, tschechischer Reformator auf religiösem, sozialem und nationalem Gebiet. 1415 wird Hus am Konzil zu Konstanz verbrannt, da er seine Lehren nicht wiederrief. 1419 1. Prager Fenstersturz, Ausbruch der Husittenkriege. Mit ihren Wagenzügen verheerten die Husitten Europa von der Donau bis zur Ostsee).

1421    Die Feste befindet sich im Besitz des Grafen Michael von Hardegg.

1425    Ulrich und Martin von Eytzing (aus dem damals bayrischen Ried/OÖ) erhalten von Herzog Albrecht V. für treu geleistete Dienste die Feste Kaja mit Pflegschaft und Nutzung.

24.11.1425    Die Husitten belagern, erobern und verbrennen Retz. Nach einem der Berichte überleben nur 3 Einwohner.

1430    Der Herzog gibt den Eytzingern 150 Pfund, weil im Husittenkrieg die zur Burg gehörenden Güter verödeten.

1432    Die Eytzinger erhalten vom Herzog zur Wiederherstellung der verwüsteten Feste 800 Pfund mit dem Recht, die Burg zu schleifen, wiederherzustellen oder umzubauen. Erweiterung der Burg zum heutigen Ausmaß.

1434    Die Eytzinger gelangen in den Besitz zu Schrattenthal und der Burg Neuhäusl (1750m Luftlinie von Kaja entfernt, am mährischen Thayaufer gelegen), letzteres dadurch, dass sich Oswald von Eytzing mit Katharina, der Tochter des Burgherren von Neuhäusl vermählte. Seit jener Zeit soll ein unterirdischer Gang Kaja und Neuhäusl verbinden.

1438    Herzog Albrecht V. wird deutscher König - Ulrich von Eytzing wird sein Schatzmeister.

05.08.1451    Ulrich von Eytzing wird von Friedrich III. mit der Feste Kaja, dem Gericht und allen Rechten belehnt. Als Ulrich eine Verschwörung anzettelt und die Hofburg in Wien besetzt, wird er verhaftet und angeklagt, bald darauf verstirbt er in Schrattenthal.

1470    Oswald von Eytzing und Katharina von Neuhäusl übergeben Stephan von Eytzing Kaja, Neuhäusl und Hofern.

1512    Michael von Eytzing wird gemeinsam mit Hans von Puchheim und anderen als einer der Rädelsführer des Aufstandes gegen Ferdinand I. in Wiener Neustadt hingerichtet.

1518    Wird noch das Kapellenlehen auf Kaja genannt.

1526    Schlacht bei Mohacs. Mit dem Tode des letzten Böhmen- und Ungarnkönigs Ludwig II. (aus dem Geschlecht der Jagellonen) am Schlachtfeld treten die Habsburger vertragsgemäß dessen Nachfolge an. Böhmen und Ungarn werden mit den Habsburgerlanden bis 1918 vereinigt. An der Thayagrenze tritt Ruhe ein, Kaja wird als Grenzfeste gegen Mähren bedeutungslos.

1575    Nach dem Tode Ulrichs von Eytzing geht die Feste Kaja auf seine Tochter Anna über und von ihr,

1588    auf ihren Gemahl Sixtus I. von Trautson. Die Trautson bewohnen die Burg nicht mehr. Landesgericht und Verwaltung werden aus der verfallenden Feste Kaja in das neuerbaute Schloss Niederfladnitz verlegt.

1593    Urbar mit Schlossbeschreibung. In der Burg wohnt nur ein Burgwart.

1618 - 1648    Angeblich neue Verwüstungen im 30 jährigen Krieg.

1652    Im Reformationsprotokoll werden wieder 28 auf Kaja wohnhafte, nicht katholische Gutsangestellte genannt.

1687    Eine Zeichnung Vischers aus diesem Jahr zeigt die Hochburg schon als Ruine.

1763    Errichtung der Merkersdorfer Dreifaltigkeitskapelle, die von Hardegg aus betreut wird. Möglicherweise wurde bis dahin die Burgkapelle auf Kaja noch benützt.

1781    Gräfin Maria Josefa von Auersperg erbt die "Herrschaft Niederfladnitz", zu der die Kaja und Schloss Niederfladnitz gehören.

Bis 1785    gingen die Merkersdorfer Kinder nach Hardegg in die Schule. Damals lebte "in der Kaja" ein Müller, der für seine Kinder einen Hauslehrer bestellte, für den dann auch die Merkersdorfer ein "Stübi" als Schule einrichteten.

1793    Karl Fürst von Auersperg wird mit Kaja belehnt. Er lässt das Jagdschloss Karlslust (3km von Kaja entfernt) erbauen. Die Auersperg tragen viel zur Erhaltung der Feste bei und restaurieren sie zum Teil.

1871    Neuerliche Restaurierung.

1873    Beschreibung eines Ausflugs des Vereins für Landeskunde zur Kaja. In der Feste befindet sich ein kleines Museum.

1945    Die Burg geht im Erbweg auf die gräfliche Familie Waldstein-Wartenberg über. In den 50-er Jahren muss die Burg wegen Baufälligkeit gesperrt werden.

07.08.1969    Gründung des Vereins zur Erhaltung der Feste Kaja, der später in den Burgen- und Schlössererhaltungsverein übergeleitet wurde.