Beobachtung des Fleckenzyklus der Sonne

Die Entdeckung des Fleckenzyklus

Im Jahre 1826 begann Heinrich Schwabe, ein Apotheker aus Dessau, mit regelmässigen Beobachtungen der Sonne und ihrer Flecke. Sein Ziel war die Entdeckung eines Planeten innerhalb der Merkurbahn, der sich im Durchgang vor der Sonnenscheibe als kleiner dunkler Fleck zeigen würde. Er beobachtete und skizzierte genau die Sonnenflecke, um sie von einem eventuellen Planeten unterscheiden zu können. 1843 wertete er seine Beobachtungen erstmals aus und erkannte, dass sich 1828-29 und 1836-39 die Sonne nie fleckenfrei zeigte, aber 1833 und 1843 sehr oft kein Fleck erkennbar war. Die Maxima und Minima der Fleckenaktivität der Sonne schienen sich nahezu alle zehn Jahre zu wiederholen.

Rudolf Wolf, Bern (später Zürich) analysierte daraufhin alle historischen Fleckenbeobachtungen und fand dass sich die Periodizität auch in früheren Jahrhunderten nachweisen liess und die Periode des Fleckenzyklus etwa 11 Jahre betrug (mit grösseren Unregelmässigkeiten zwischen 7 und 17 Jahren).

Beobachtung des Fleckenzyklus nachvollzogen

Seit 1986 beobachte ich öfters die Sonne mit einem kleinen Newton 105/445mm, meist bei einer Vergrösserung um die 50x. Mehr lässt die Luftunruhe oft nicht zu; das kleine Fernrohr hat den grossen Vorteil, sehr rasch einsatzbereit zu sein und bietet einen interessanten Blick auf die sich immer verändernde Sonnenoberfläche. Als Sonnenfilter bewährt sich die Baader Sonnenfilterfolie, die vor das Objektiv montiert sicher und nicht teuer ist. Neben Skizzen und anderen Beobachtungen zählte ich zwischen 1986 und 2003 an etwa 900 Beobachtungstagen auch die Sonnenflecke und bestimmte die Wolf'sche "Relativzahl" R = 10g + f (g = Anzahl der Fleckengruppen, f = Anzahl der Flecke). Sie ist leicht und schnell zu bestimmen und ein ganz gutes Mass für die Fleckenaktivität unseres Sterns.

Das Diagramm zeigt die Beobachtungen grafisch dargestellt: die Punkte sind Einzelbeobachtungen. Trotz immer wieder vorhandener Lücken in den Beobachtungen und der häufigeren Beobachtung der Sonne im Frühjahr und Sommer folgen die Jahresmittelwerte meiner Relativzahlbeobachtungen (orange-strichliert; 1989 wegen zu seltener Beobachtung nicht berechnet) den "offiziellen" Werten des Sunspot Index Data Center SIDC (grün-durchgezogen) ganz gut. So sind die Minima der Jahre 1986 und 1996 und die Maxima der Jahre 1989 und 2000 ganz gut erkennbar. Es ist also mit sehr einfachen Mitteln möglich, die Beobachtungen Schwabes nachzuvollziehen und den Fleckenzyklus der Sonne selbst zu beobachten.

Literatur

  1. A.Pannekoek: A History Of Astronomy. Dover, New York, 1961.
  2. Michael Hoskin (ed): Cambridge Illustrated History Of Astronomy. Cambridge University Press, 1997.
  3. SIDC, Fleckenzahlen: http://sidc.oma.be

Wolfgang Vollmann, 7.Jan.2004, http://members.aon.at/wolfgang.vollmann.