Chronik

Wolfsberg und seine Entwicklung

Quelle: Festschrift zur 700 Jahrfeier/Dr. Otto Lamprecht

Die Gründungszeit des heutigen Wolfsberg ist nicht überliefert. Bekannt ist, dass auf dem Berg oberhalb der Kirche, einst eine Burg stand, deren Erbauer ein Mann namens Wulf war. Der Name "Wolfsberg" leitet sich also von "Berg des Wulf" ab.

Aus der Zeit um 1220 ist bekannt, dass Wolfsberg und die benachbarten Orte unter der Grundherrschaft des steirischen Herzogs standen (und dies noch bis ins 17. Jahrhundert blieben). Die Größe des Dorfes wurde damals mit 12 Huben (Bauerngütern) angegeben. Über den wirtschaftlichen Zustand der Bauerngüter aus diese Zeit liegen keine Aufzeichnungen vor.  Die ursprüngliche Größe der Siedlung wuchs ständig an und 1445 zählte Wolfsberg schon 20 Feuerstätten, d.h. behauste Bauerngüter.

In den folgenden Jahrzehnten kamen schwere Zeiten über Wolfsberg. Die Baumkircher-Fehde, der folgende Ungarnkrieg und zwischendurch der Einfall der Türken, richteten auch im Schwarzautal schwere Verwüstungen an. Wie es Wolfsberg selbst dabei erging, ist nicht überliefert, es schien sich aber rasch wieder zu erholen, denn 1495 ist dokumentiert, dass alle Bauerngüter vollständig bewirtschaftet wurden.

Doch im Laufe der Jahrhunderte schwankte die Anzahl der Dorfgehöfte. So bestanden um 1500 nur 17 Anwesen, vermehrten sich bis 1558 auf 18 und 1617 waren es bereits 21 Bauern, die 15 Huben, 5 Hofstätten, 2 kleine Hofstattl und 1 Mühle innehatten. Dazu kamen noch die Gründe des Pfarrers und des Mesners. Dieselbe Güterzahl wurde schließlich auch 1621 angegeben. In diesem Jahr verkaufte der bisherige Grundherr Wolfsbergs, Kaiser Ferdinand II, als damaliger steirischer Landesfürst, das Amt Wolfsberg mit all seinen Untertanen, Einkünften und Rechten an den Freiherrn Hans Ulrich von Eggenberg. Der neue Grundherr verleibte das ihm gehörige Amt Wolfsberg seiner im unteren Murtal gelegenen Herrschaft Straß ein. Dieser Grundherrschaft ist Wolfsberg bis 1848, also bis zur Aufhebung des Systems der Grundherrschaft, untertänig geblieben.

Die Herrschaft Straß setzte für das Amt Wolfsberg einen eigenen Oberamtmann ein, der auch in Wolfsberg ansässig war. Da die Grundherrschaft auch das alleinige Jagdrecht in den Wäldern rund um Wolfsberg ausübte und am Fuxeck sogar einen eigenen Tiergarten errichten ließ, übte der Oberamtmann auch die Funktion eines herrschaftlichen Oberjägers aus. Beides sehr einträgliche Ämter, die im 18. Jahrhundert sich in der Wolfsberger Familie Kiendler vom Vater auf den Sohn vererbten. Ein Mitglied dieser Familie, der 1773 verstorbene Oberamtmann Josef Kiendler war so reich, dass er sogar seiner Grundherrin, der Fürstin Maria Charlotte von Eggenberg, 2000 Gulden leihen konnte.

Dieser Einzelfall darf aber nicht zur Annahme verleiten, die Wolfsberger hätten in der Zeit ihrer Straßer Grunduntertänigkeit in Wohlstand und Überfluss gelebt. Die Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) brachte dem Ort durch die allgemeine Geldentwertung und immer höheren Steuern Teuerung und Verarmung. 

Dazu kam noch die Heimsuchung durch tödliche Seuchen. 1679-1682 und wiederum 1713-1715 grassierte die orientalische Beulenpest, die in und um Wolfsberg ihre Opfer forderte. Sagen und Denkmäler (Pestkreuz)  erinnerten noch lange daran. Bessere Zeiten kamen erst im Laufe des 18. Jahrhunderts und damit auch ein Aufschwung des Wirtschaftslebens.

1755 gab es 19 Untertanen der Straßer Grundherrschaft, die 19 Bauerngüter bewirtschafteten, dazu kamen noch zwei Hofstätten des Pfarrers und eine des Mesners. Neben den Dorfbauern gab es auch schon Handwerker und Gewerbetreibende. So gab es einen Bäcker, einen Müller, einen Schmied, einen Hafner und einen Wagner. Im Zuge der vom Staat seit 1784 geschaffenen politischen Landeseinteilung wurde Wolfsberg Mittelpunkt einer staatlichen Steuergemeinde, womit es den Status eines öffentlich rechtlichen Verwaltungsbereiches mit seinen Amtsstellen erreichte. Das brachte eine Erfassung aller Wirtschaftsbetriebe mit sich, nachdem bereits eine Volkszählung und eine Häusernummerierung durchgeführt worden war.

1787 bestand Wolfsberg aus folgenden Anwesen:
Oberjäger, Bauernkiendler, Reinhard, Murhandl, Schenk, Luttenberger, Bäck, Klöckl, Kamper, Fux und Kölli. Sie bildeten wie seit jeher den alten Kern der Siedlung. An ihn schlossen sich  Kirche, Pfarrhof und Schulhaus an, sowie die Gehöfte Bruckenzenz, Wagner, Schneiderpoldl, Schmied, Hafner, Kühhieter und das Haus des Arztes. Außerhalb des Ortes bestand an der Schwarzau der Müller und an den Hügeln entlang der  Gemeindegrenze noch verschiedene Einzelhöfe. 2 auf dem Burgberg, 4 auf dem Fuxeck, 4 in Weichselberg, 4 in Wolfsperberg und 6 in Grüneck. Es bestanden also 1787 im Bereich der Steuergemeinde 43 Häuser.

1817 wurde die Grundsteuerverfassung eingeführt und in den folgenden Jahren eine trigonometrische Landesvermessung durchgeführt. Das Gebiet der Katastralgemeinde Wolfsberg wurde um das Gebiet Wölferberg erweitert und erstreckte sich von nun an bis Hocheck und Wölferberg. Die alte Wolfsberger Gemeinde umfasste dagegen auch 1821 nur 30 Anwesen mit 56 Bewohnern: Neben den bereits 1887 verzeichneten Bauerngütern noch 7 Keuschler, 11 Gewerbetreibende und 1 Chirurgen.

Im Jahre 1849 wurde die Katastralgemeinde Wolfsberg in die gegenwärtige Ortsgemeinde umgewandelt. Nach der Volkszählung von 1910 gab es 115 Häuser und 648 Bewohner, die Volkszählung 1961 ergab in der Ortsgemeinde 123 Häuser und 502 Einwohner. 1969 wurde ein Teil der Katastralgemeinde Marchtring  an die Gemeinde Wolfsberg angeschlossen. Mit 1. Jänner 1970 umfasste die Großgemeinde Wolfsberg 10.20 Km2, hatte 792 Einwohner und 168 Häuser.

 

Institutionen

Quelle: Festschrift zur 700 Jahrfeier/Dr. Johann List

Die Post

Die erste Postniederlassung wurde 1872 errichtet und von Frl. Luise Kaufmann in ihrem Haus (jetzt Krisper), betreut. Da damals dieses Haus das einzige Kaufhaus der Pfarre war, nahmen die Leute ihre Post beim Einkaufen mit nach Hause. Die Post wurde aus St. Georgen oder Lebring abgeholt. Erst um die Jahrhundertwende gab es eine Pferdepostkutsche, die morgens und nachmittags "verkehrte".

Der Gendarmerieposten

In Wolfsberg wurde am 1. Oktober 1871 der erste Gendarmerieposten errichtet, vor allem "wegen der vielen Zigeuner und Einbrüche, aber auch wegen der immer häufiger werdenden Raufereien". Eine zeitweilige Expositur hatte aber schon 1850 den Auftrag, nach dem Rechten zu sehen.

Die Raiffeisenkasse

Nach dem Jahre 1848 ging es den Bauern trotz Aufhebung der Grundherrschaft wirtschaftlich nicht gut. Es wurde zur Selbsthilfe aufgerufen und so entstanden verschiedene Genossenschaften und Verbände. Am wichtigsten wurde dabei die Idee F.W.Raiffeisens. Von Deutschland aus verbreitete sich sein System auch in Österreich. In Wolfsberg wurde die erste Raiffeisenkasse der Steiermark errichtet. Die Gründungsversammlung fand am 28. Jänner 1894 statt und am 26. April 1894 begann die Kassengebarung.                 

Der Kameradschaftsverein

Schon im Jahre 1855 hatten Soldaten einen "Urlauber- und Abschieder-Verein" gegründet, der 1860 die erste Fahne erhielt. 1878 wurde der Verein in "Militär-Veteranen-Verein Wolfsberg" umbenannt. Das Protektorat hatte Caspar Freiherr von Kellersperg übernommen. Zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges wurde mitten im Ort ein Kriegerdenkmal errichtet und 1921 geweiht. Während des 2. Weltkrieges hatte sich der Verein "Kyffhäuserbund" nennen müssen, nahm aber 1945 den Namen "Kameradschaftsverein" an. Am 15. Juni 1956 wurde am Kriegerdenkmal eine Tafel mit den Namen der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges enthüllt.

Die Freiwilligen Feuerwehren

Da es in Wolfsberg sehr oft Brände gab, regten der Landesausschuss und die Bezirkshauptmannschaft Leibnitz die Errichtung einer freiwilligen Feuerwehr an. Dies geschah dann im Jänner 1897, 1898 schloss sich auch die Feuerwehr der Gemeinde Unterlabill an. Die Zusammenarbeit der beiden Wehren dauerte bis 1903. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm die Feuerwehr ihre Tätigkeit wieder auf, wobei sich die Wehr von Hainsdorf an Wolfsberg anschloss. 1926 wurde eine Motorspritze angeschafft, 1932 ein neues Rüsthaus gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde mit der Schulung der Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren begonnen. Das 50. Gründungsfest wurde am 6. Juni 1949 gefeiert.


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