Australische Meisterschaft 2004
Weltmeisterschaft 2004
SYDNEY/AUSTRALIEN




Beflügelt vom 6. Bestenlistenplatz 2003 begaben sich Peter (Zöchbauer), Gerhard (Schöchl) und ich nach Sydney. Schnell noch Weihnachten feiern und dann ab in den Süden: am 25.Dezember über Kuala Lumpur nach Sydney.
Zwar ein langer Flug aber die Erwartung an die folgenden Segeltage machte ihn doch kurzweilig. Der erste Weg führt in den Club: Royal Sydney Yacht Squadron. Bescheidene Hütte, erst kürzlich um 3 Millionen Euro etwas auf Vordermann gebracht. Vier Stockwerke in den Hang gesprengt, standesgemäß mit Tiefgarage - man leistet sich ja sonst nichts. Übrigens wer als Mitglied aufgenommen werden will und beabsichtigt in 8 Jahren nach Australien auszuwandern, sollte gleich das Ansuchen stellen um zu den 3000 Mitgliedern aufgenommen zu werden: dann wird die obligatorische Wartefrist in etwa abgelaufen sein. Zwei vollhaftende Bürgen sind selbstverständlich beizustellen.

Es empfängt uns Chris Harper ( Aussi-Chef und Organisator der WM, und ständiger Mitstreiter bei den letzten von uns besuchten WM's ) bei zwei Flascherl Merlot, natürlich Clubabfüllung, verliert sich dann die Noblesse ein wenig und wir fühlen uns wie zu Hause.

Nächster Tag Vermessung zur Australischen Meisterschaft - unser Ruder schafft uns Probleme: Das Boot, in Europa schon vielfach bei Eurolymp Veranstaltungen von Kristin Wagner (der Vorbesitzerin) einem Vermesser vorgeführt, entspricht nicht der Regelauslegung des australischen Vermessers. Unsere standhafte Weigerung dem Ruder auch nur die kleinste Ecke abzuschaben, führt letztendlich zum Erfolg und wir dürfen starten.

Die Devise: "Es geht ja um nichts, ist ja nur Training für die WM", ermöglicht uns Superstarts. Mit den Platzierungen 16, 7, 12, 14, 10, 11, 17, 12, 10 bei 24 Startern reicht's dann für den 12.Platz - viel mehr als wir erwartet hatten.

Australische Meisterschaft - Platzierungen der Österreicher:

12. AUT 300 Lutz/Schöchl/Zöchbauer
14. AUT 230 Richard/Besler/Besler
21. AUT 279 Wollner/Raderbauer/Toifl

Bei der WM steigt der Druck gewaltig und die Startlinie ist dichter umkämpft als erwartet. Schlechte Starts und ein verlorener Protest machen den ersten Tag nicht gerade zu einem freudigen Ereignis. Kollisionen und zwei 720er machen die Freude am 2.WM Tag auch nicht größer aber wir wissen schön langsam mit welchen Mitteln wir uns in diesem sehr professionellen Umfeld bewegen müssen. Gegen Ende der Serie kommen wir endlich wieder besser in Fahrt und sind schon bei einer Wettfahrt nahe einem 6.Platz - doch darüber schreckt sich unser Spinnaker fast zu Tode und wickelt sich vor lauter Angst ca. 30 mal um unser Vorstag. Dennoch der 19.Platz und die Motivation ist wieder mit an Bord. Letztes Race: nun noch einmal Vollgas und irgendwo um den 15. Rang gelegen. Schockiert von den Österreichern: Skolaut 1. Platz und Rudi Mayr 2. Platz gelingt es den AUSSIES die letzte Wettfahrt zu Fall zubringen, da bei einer Bojenverlegung wegen eines 40Grad Winddrehers + kein weisses Band an der verlegten Tonne, ein Formalfehler der Wettfahrtleitung begangen wurde. Schade! Doch wir sind auch mit unserem 23. Platz zufrieden and glauben so viel wie noch nie bei einer Großveranstaltung gelernt zu haben. (unsere Platzierungen: 22, 19, 20, 34, 21, DNF (Fockfall braucht Pause), 15, 13, 25, Race 10 annulliert).

Späte Freude für unser Team: der Protest ist zwar hochehrenwürdig mit Jury-Mitgliedern aus Hongkonk, Thailand und Singapur verhandelt wurden - eine Unmenge Merlot (für die hohen Herrn natürlich gratis) dürfte allerdings die offizielle Eintragung in die Liste vereitelt haben - ja, ja: Shit happens......... !

Damit wurde Neville Wittey Weltmeister. In der Segler Szene kein unbeschriebenes Blatt, da er schon auf verschieden America's Cup Booten für Australien "gedient" hatte. Seine Yngling Kampagne hat übrigens eine Australische Mittvierzigerin finanziert, die sich ein kleines Geschenk mit einem WM Titel machen wollte. Start der Aktion war eine nette Runde, die sich, nach Ihrem Motorradunfall bei einem Rennen in den USA, getroffen hat und angesichts ihrer zahlreichen Brüche über sportliche Alternativen nachgedacht hat. Yngling Segeln klingt gut. Daher schnell ein neues Boot gebaut und den Neville gegen Bares für 6 Monate auf die Spesenliste Ihres Göttergatten gesetzt (seines Zeichens Vize Boss bei Quantas) und alles ist möglich.
2. Platz für AUS-Profi Nickey Bethwaite und Frauschaft, die damit endgültig die Qualifikation für Athen in der Tasche hat und sich freut, dass sich die mind. 280 Trainingstage/Jahr doch ausgezahlt haben.

WM Platzierungen der Österreicher:

6. AUT 301 Skolaut/Skolaut/Riha
9. AUT 280 Mayr/Daurer/Kirchner
19. AUT 230 Richard/Besler/Besler
23. AUT 300 Lutz/Schöchl/Zöchbauer
28. AUT 279 Wollner/Raderbauer/Toifl

Als kleine Draufgabe wurden noch die Super 9 Serie gesegelt. Gesteuert von Funktgerät und Kopfhörern geht's dann erst richtig los. Boot gegen Boot wird versucht schon in der Vorstartphase dem Gegner ein Ringerl ( freue mich schon auf die Starts auf der Donau ) anzuhängen um dann den kurzen Kurs zweimal zu durchsegeln. Wie befürchtet fassen wir gleich den frischgebackenen Weltmeister und einen für diese Serie engagierten Spezialisten aus. AUS-AUS-gegen AUT bedeutet in diesem Match gleich das OUT - eh klar. Dann gab es noch 3 weitere Matches mit den Resultaten 3, 2, und einem Sieg zum Abschluss. Wegen Sturm 7-8 Bft. wird es dann für die anderen Boote und die Wettfahrtleitung etwas haarig und der Sieger wird am DART-Brett ermittelt. Neville dürfte an so manchen Flautentagen auch das bis zur Vergasung geübt haben und gewinnt neben der Australischen, der WM auch noch die Super 9. Da wir schon nach der ersten Runde ausgeschieden sind, wurden wir nicht in die Liste aufgenommen. Johannes Richard kam als einziges österreichisches Boot bis zum letzten Renntag und landete irgendwo zwischen 5. und 10. Platz. 

Das Atemberaubende Panorama mit Harbour Bridge und Opernhaus wurde mit 24 Wettfahrten und Winden von 4-7 Beaufort (zu 90% 5-6) fast schon kitschig und für uns zum unvergesslichen Erlebnis.

Noch vielen Dank an Peter und Gerhard meinem kämpferischen und selbstlosen Team. Besonders Peter der zum ersten mal auf einer Yngling die Vorschot zog. Gerhard erduldet mich ja schon das 8.Jahr. Eine phantastische Gemeinschaft am Wasser und zu Lande.

Ganz besonders will ich mich auch bei unserem Sponsor dem amerikanischen Spediteur EXPEDITORS bedanken, der unser Boot nach Newport USA 2001 nun auch nach Sydney gebracht hat.

Ich hoffe wir können uns zusammen mit anderen SCKr Seglern für die WM 2005 am Mondsee qualifizieren. Die Bedingungen hierfür seht Ihr auch auf der web-site www.yngling.at .

Martin LUTZ - AUT 300

Die genauen Ergebnisse findet Ihr auf der WM2004 Homepage .