YNGLING REVIVAL 2004
Riva     20.-22. Mai 2004

Zur Einleitung ein paar Gründe, nicht an den Gardasee zu fahren:

Sonne, Italien, Starkwind, lange schlafen, toller Verein, gutes Essen etc.

Als, nach 26 regattalosen Jahren, wohl nicht ganz dichter Segeloldie, haben mich die obigen Argumente von einem Gardaseerevivalabenteuer nicht abhalten können. Leider ging es nur 14 weiteren Crews aus Dänemark, Deutschland, Schweiz und Österreich genauso!

Also Mittwoch 19.Mai,der Wecker klingelt um 5Uhr,vonwegen langes Schlafen. Sohn aus dem Bett geholt, Boot angehängt und ab. Noch nicht ganz. Der Frank, eine "Leihgabe" des österr. Bundesheeres und unser dritter Mann wird noch aufgelesen, aber jetzt geht es bei strömenden Regen, vonwegen Sonne, hinein in die LKW Kolonne über den Brenner in ca 5h an den Gardasee.

Der Blick über den in der sonne glänzenden See lässt die Stimmung schlagartig steigen und ich verfalle in einen herrlichen Zustand des Schwelgens in alten Erinnerungen vom Tornadosegeln bei 6Bft und 110 Teilnehmern von Erfolgen und Misserfolgen, aber eher bald habe ich das Gefühl, dass ich, der Alte, meiner Crew damit eher auf die Nerven gehe und konzentriere mich auf den Verkehr und steuere den wunderschönen mitten in Riva gelegenen Segelclub an. Dort treffen wir auf die schon gut erholten und schon fast austrainiert erscheinenden Dolce Vitasegler.

Nach dem problemlosen Kranen Blick auf die Meldeliste: Nur 15 Teilnehmer. Die 14er, 505er, Korsare und sogar die Dyas haben deutlich mehr Segler zu verzeichnen! Beim Studium der Namen finde ich nur, für mich unbekannte Mannschaften und der Rest sind lauter Gute, somit sind unsere Erwartungen, was das mögliche Abschneiden betrifft, eher gedämpft. Um ca 2h springt im östlichen Seeteil die Ora (Südwind) an und es geht in aqua zum Training. Bei 4-5Bft müssen wir rasch erkennen, dass das Ynglingsegeln zu dritt und davon 2in den "Sklavengeschirren" eine, vorsichtig ausgedrückt, fremde Dimension darstellt und unser Boot mit uns doch etwas hart umgeht. Der Spassfaktor sei trotzdem, so glaubten wir, kaum zu überbieten.

Am Abend hatte Andreas, unser Gardaseechef, ein wie sich herausstellen sollte Highlight eingeplant: ESSEN!!! Nach 10-15km Bergstrasse, oder waren es doch 20km? traf die hungrige Meute bei ........ein. (Lokalname bleibt geheim, da wir den Geheimtipp auch nächstes Jahr wieder als solchen besuchen wollen). In typisch italienischem Ambiente waren alle, ausser unserem Johannes, der etwas schwächelte und von Palatschinken und blutigen Steaks phantasierte, was der Wirt Gott sei Dank nicht mitbekommen hat, nach 14 Gängen restlos satt. Die Diskusionen ob nur 8 oder doch 12 Tierarten aufgetischt und gegessen wurden werden noch lange anhalten, über die haubenverdächtige Qualität bei unschlagbarem Preisleistungsverhältnis war man sich einig. Danke Andreas! Ich habe selten so gut gegessen, was bei meinem Gewicht einiges bedeutet.

Am Donnerstag um 1h (lange schlafen) geht es bei Ora und 4-6Bft los. Die Profiwettfahrtleitung schickt alle 5 Klassen bei herrlichem Wetter auf die Bahn. Alles klappt perfekt. Wie geplant werden 2 traumhafte Wettfahrten gesegelt. So schön kann unser Sport sein. Mit unserem Abschneiden sind wir mit 2  4.Plätzen mehr als zufrieden. Die anderen Österreicher, Rudi mit 1. und 8., Martin mit 3.und 5. machen auch freundliche Nasenlöcher.

Am Abend wieder Essen mit Andreas. Diesmal weniger Gänge (allgem. Konditionsmangel ?) bei wiederum Topqualität.

Freitag Sonne Ora 6-7Bft Start 1h 2Wettfahrten wie geplant. Vor dem Start lassen die durch das Rigg rauschenden Böen den Puls ganz schön in die Höhe schnellen und ein etwas flaues Gefühl in der Magengegend stellt sich ein, was sicher nicht am Essen des Vorabends liegt. Doch mit dem Schuss ist alles Unbehagen wie weggeblasen und eine Hochstimmung stellt sich ein, die beim Surfen unter Spinnacker ihren Höhepunkt findet. So kann Segeln süchtig machen. Unser Boot ist trotz kielholens der Spieschot und einem Aufschiesser unter Spie kaum zu bremsen. Wie gut könnte es mit einer besseren Mannschaft erst laufen? Egal wir fahren einen 2. hinter Rudi und einen 4. und sind restlos happy.

Andreas zeigt mit einem 7. und 2. seine Schwerwindqualitäten, Martin legt 2 5. hin. Bis auf die Tatsache, dass die deutsche Mannschaft Gerth/Schutt/Dyla deutlich in Führung liegt und Johannes wegen einer gerissenen Unterwant seinen Mast zerrstört hat, sind die meisten zufrieden. 

Am Abend, richtig geraten, Grosses Abendessen aller Yglingsegler organisiert von Andreas. Nur 7 Gänge Qualität wie erwartet. Johannes hungrig wieso?

Samstag dunkle Wolken, Schwüle, drehende Winde, Startbereitschaft. Um ca 2h30 leichter Nordwind 1-2Bft, Gewitter und Sintflutartige Regenfälle. Nach dem Start die falsche Seite erwischt, 3Mann bei diesem Wind erscheinen mir als 3zuviel. Kurz- auch das kann Segeln sein. Ein Feld vom Vorletzten Platz sieht fast wie vom 2. aus aus. Was für eine tolle Erkenntnis! Unser Streicher ist geschafft. Die Deutschen sichern sich mit einem 1.schon vor der letzten Wf den Gesamtsieg. Der Rest aus österr. Sicht Schweigen. Im intensiven Dauerregen Start zur letzten Wf bei 1Bft aus Nord. Rudi gewinnt vor Andreas und dem Dänen Joergen Ring. Wir werden 4. und sind sauer weil wir den 3.Gesamtrang verloren glauben. Ganz schön grössenwahnsinnig!? Im immer noch strömenden Regen wird das Schiff abgeriggt und verladen. So besch..... kann Segeln sein.

7h abends dämmerig und kalt. Siegerehrung
Kurz davor Blick auf die Ergebnisliste : GER 222 vor AUT 280 und AUT 259 das darf doch nicht wahr sein ,es hat um einen Punkt gereicht! So schön kann Segeln sein!

Karl (AUT 259)