Volvo Open European Championships 2004
Netherlands, Stavoren


Tja, da verlässt man nach zwei Wochen pausenlosem Regen einmal das viel geliebte Österreich und dann kommt man in Holland an und glaubt es kaum, es regnet.
Nach 12 Stunden reiner Fahrzeit kamen wir eigentlich ohne großer Zwischenfälle am Freitag, den 16.7.2004 um 18 Uhr in Stavoren an, denn die weite Reise haben wir doch eher unterschätzt.
Den Yachthafen konnte man gar nicht verpassen, denn in der Einfahrt stand ein nagelneuer Yngling und man wurde sofort in Richtung Vermessungsstelle geleitet.
Müde von der Fahrt und doch eher niedergeschlagen vom schlechten Wetter dachte ich, jetzt ist mal Ruhe angesagt. Ich wollte unseren Yngling nur noch parken um mich dann in Ruhe aufs Ohr zu hauen, doch da dachte ich falsch. Es war doch selbstverständlich, dass wir jetzt noch bei dem schlechten Wetter unseren Yngling vermessen lassen.
Also packten wir die Segel aus, bauten den Mast ab und richteten das Boot innerhalb von 15 Minuten zur Vermessung her. Als wir dann an der Reihe waren, fragte man uns, ob wir nicht doch bis morgen warten wollen, denn der Vermesser möchte jetzt um 19 Uhr doch lieber Feierabend machen.... Es blieb uns also nichts anderes übrig als auf morgen zu warten.


Samstag, 17.7.2004
Am nächsten Tag kamen wir dafür als Erster dran und die beste und schönste Überraschung am führen Morgen: es regnetet nicht mehr, es schien sogar die Sonne.
Zuerst kamen unserer Segel an die Reihe, alles war in Ordnung, bis auf den Spinnaker, denn der war zu groß und hatte keinen blauen Punkt. 
Blauer Punkt, was ist das, ah ja genau das Ding das auf unseren Segeln ist, der Spinnaker hatte also keinen! Was sollen wir da tun? Zu aller erst kam der Spinnaker mal für ein paar Stunden in den Kühlschrank, und so war das erste Problem einmal gelöst, und mit viel Geld und langen Reden wurde im Spinnaker dann doch ein blauer Punkt sichtbar. Also nicht wie ihr alle glaubt, dass wir jetzt bestochen hätten, nein, ein Segelmacher kam und nahm den Spinnaker für einen Stunde in Beschlag und dann war alles in Ordnung. Weiters hatten wir nur einige Kleinigkeiten zu korrigieren.
Am Samstag Vormittag kam dann auch endlich Georg mit seiner Crew an. Sichtlich von den Strapazen der "Nachtfahrt" gezeichnet, hatten sie die Vermessung noch vor sich. Bei uns kam natürlich keine Schadenfreude auf.... Nachdem sie ihren neuen Mast anbohren mussten, brachten auch sie die Vermessung über die Bühne.
Am Abend konnten wir uns dann alle davon überzeugen, welche Windverhältnisse uns womöglich bevorstehen würden. Als wir alle nichtsahnend im Festzelt unser Abendessen zu uns nahmen, kam plötzlich ein Sturm mit bis zu 11 Windstärken auf. Das große Zelt musste evakuiert werden und alle stürmten zu ihren eigenen Zelten. Also wir Österreicher alle ins schöne Wohnmobil, denn wir hatten eines, Rudi Mayr natürlich, Walter Eisl mit seiner Crew ein kleines Mobil und Georg konnte sich auch in seinen Bus retten. 
Durchs Fenster konnten wir dann beobachten, wie die Zelte so an uns vorbei flogen und die "schönen Seglerinnen" verzweifelt hinterher stürmten oder sagen wir trampelten. 

Sonntag 18.7.2004
Practise Race stand heute am Programm. Das Starterfeld von 80 Booten wurde in 4 Farbgruppen aufgeteilt, die dann für den Rest der Qualifikation gleich bleiben sollten. Am Nachmittag gings erstmals aufs offene Meer, für uns natürlich ein irres Erlebnis.
Georg und Rudi segelten sofort vorne mit, wir konnten unsere Zielsetzung erstmals erfüllen und wurden nicht Letzter und Walter schaffte es mit seiner Crew in der falschen Gruppe zu starten, aber wie gesagt, es war ja nur die Practise Race.
Am Abend fand die feierliche Eröffnung im Festzelt statt. Da es das köstliche Bier nur in 0,2-Liter-Bechern gab versuchten wir Österreicher an diesem Abend den größten Plastik-Becherturm zu ertrinken, natürlich mit Erfolg.

Montag 19.7.2004 
Am Montag Morgen wurde uns beim Frühstück eröffnet, dass bei den Gruppeneinteilungen für die Qualifikation einige Fehler passiert sind und jeder Starter sollte sich noch einmal beim Race Office erkundigen in welcher Gruppe bzw. Farbe er starten sollte.
Von uns Österreichern schaffte es zum Glück jeder in den drei Wettfahrten, die heute auf dem Pogramm standen, in der richtigen Gruppe zu starten.
Am Abend fanden wir heraus, wer dieses Kunststück vollbracht hatte und anstatt in der Gelben in der Grünen Gruppe zu starten. Ihr kennt ihn sicher alle, es war Bruce Chafee, der Amerikaner.
Wir Österreicher schossen aber an diesem Tag mit einer anderen Kuriosität den Vogel ab. Alle vier österreichischen Mannschaften hatten, in einer der drei Tageswettfahrten, einen Frühstart und einzig Walter beendete ordnungsgemäß beim Runden der ersten Luv Boje die Wettfahrt.
Georg, Rudi und ich beschlossen die Wettfahrtleitung zu ignorieren und setzten die Wettfahrt ungehindert fort. Prompt hatten wir dadurch am Abend eine wunderschöne und vor allem amüsante Protestverhandlung.
Zur Rudi und Georgs Verteidigung muss ich noch hinzufügen, dass die Beiden die schwarze Tafel mit ihrer Segelnummer beim Runden der Luv Boje nicht bemerkt hatten und dadurch unwissend die Wettfahrt fortgesetzt haben, ich hingegen dachte mir, na ja bevor ich da jetzt dumm durch die Gegend segle setzte ich halt die Wettfahrt fort.
Nichts desto Trotz kamen Georg und Rudi zuerst zur Verhandlung und trotz langen Diskussionen bekamen sie wegen Fortsetzung der Wettfahrt ein "dne" anstatt eines "ocs".
Stocksauer und mit knallrotem Kopf verließen Georg und Rudi das Race Office. 
Na "Bravo" dachte ich mir, da wird's wohl bei meiner Verhandlung nicht viel anders laufen.
Falsch gedacht, mit viel Charme überzeugte ich die Jury von meiner Unwissenheit, und so wurde meine Protestverhandlung in Luft aufgelöst, und wir alle bekamen "nur" ein ocs. Durch meine "grandiose Leistung" wurde auch die Verhandlung von Georg und Rudi noch einmal aufgerollt und die Jury kam zum Schluss, auch ihnen noch einmal gnädig zu sein. Ich konnte mir beim feierlichen Bier danach natürlich nicht verkneifen meine Kollegen zu fragen, ob sie der Englischen Sprache mächtig sind?
Der Abend löste sich dann mit viel Gelächter und großer Freude über ein "ocs" auf.

Dienstag, 20.7.2004
Zweiter Tag der Qualifikation und AUT-60 war sensationell 3. Bester Österreicher. Das Ziel war es natürlich, jetzt, dieses Resultat zu halten. Für Georg und seine Crew lief eigentlich alles nach Plan, er zog souverän in die "Gold-Fleet" ein, Rudi hatte hingegen sehr viel Pech.
Nach drei Frühstarts in den insgesamt 6 Qualifikationswettfahrten nützte nicht einmal mehr mein Einsatz des Vortages, aus einem "dne" ein "ocs" zu machen, und Rudi kam, für sein Können sehr unglücklich, nur in die "Silber-Fleet". Da er dadurch sein Ziel meilenweit verfehlte und die Jury nicht gerade gut auf unseren Rudi zu sprechen war, beschloss er leider an diesem Abend die Heimreise anzutreten und somit war das Abenteuer Holland für ihn schon nach zwei Tagen vorüber.
AUT-281 (Walter mit seiner Crew) und AUT-60 (das Jugendteam des Segelclubs Ebensee und des österreichischen Ynglingclubs) schenkten sich jedoch keinen Millimeter und so geschah es, dass wir zwar weit von der "Gold-Fleet" entfernt waren, jedoch trotzdem mit unserem Ergebnis durchaus zufrieden sein konnten. Obwohl der Vorsprung auf AUT-281 geschrumpft ist, schafften wir es doch noch, die Qualifikation als 3. bester Österreicher zu überstehen.
Am Abend war dann die Hölle los. Die Holländer waren an der Reihe eine Nationparty zu organisieren und im Vergleich zu den letzten Tagen ging an diesem Tag richtig die Post ab. Es gab Live-Music und es floss natürlich eine Menge Bier. Georg, Christoph und Wolfi (AUT-301) nutzten die Gelegenheit sofort um ein wenig Kontakt mit weiblichen Seglerinnen zu schließen. Aus meiner Ansicht mit Erfolg, es dauerte nicht lange und die schnellen Ukrainerinnen verflogen dem Charme der Österreicher. Wie die Nacht für die drei endete wissen nur die Drei selber...

Mittwoch, 21.7.2004
Nach den anstrengenden Qualifikationen, mit für uns doch sehr anstrengender und ungewohnt hoher Welle waren wir alle sehr froh, jetzt einmal einen Ruhetag einlegen zu dürfen. Ich glaube an diesem Tag gibt es eigentlich nicht sehr viel zu berichten, denn jeder lag nur faul in der angenehm warmen Hollandsonne und tankte Energie für die darauffolgenden Tage. Am Rande noch eine kleine und leise Bemerkung: AUT-301 verbrachte den Tag mit UKR-1!

Donnerstag, 22.7.2004, Freitag, 23.7.2004, Samstag, 24.7.2004
Diese drei Tage standen voll im Zeichen des Segelns. Für Feiern blieb hier nicht viel Zeit, jeder war extrem konzentriert und motiviert.
Georg kämpfte mit seiner Crew in der "Gold-Fleet" um den Europameister-Titel und wir duellierten uns mit Walther und seiner Crew. Bis Freitag schafften wir es unseren Vorsprung erfolgreich zu verteidigen. Ein unglücklicher Frühstart unsererseits am Samstag brachte dann jedoch erstmals AUT-281 an die Stelle des 2. besten Österreichers. Wir hatten nun 10 Punkte Rückstand, doch aufgegeben wurde bei uns noch lange nicht. Wir versuchten uns also am Samstag Abend mit einem österreichischem Zipfer Bierfass zu motivieren. Natürlich luden wir auch unsere Gegner (AUT-281) auf ein Gläschen ein, vielleicht konnten wir sie ja mental etwas schwächen. Leider hatte das Bierfass nur 5 Liter und der Abend war schneller vorbei als er begann.

Sonntag, 25.7.2004
Der Tag der Entscheidung! In der "Gold-Fleet" standen noch 2 Wettfahrten aus und Georg konnte souverän den 17. Platz für sich entscheiden und fixieren. Ein viel härteres Duell gab es natürlich in der "Silber-Fleet", wo noch 3 Wettfahrten ausstanden. Wir mussten voll riskieren und hatten leider bei der 1. Wettfahrt ein wenig Pech beim Start und so konnte AUT-281 seinen Vorsprung um einen weiteren Punkt ausbauen. Bei der 2. Wettfahrt ging es hart auf hart, doch nun hatte AUT-281 Pech und musste wegen eines gebrochenen Spinnakerbaums aufgeben. Souverän und mit aller Routine, die AUT-60 nun einmal besitzt, konnten wir uns mit einer perfekten 3. Wettfahrt wieder an die Position des 2.besten Österreichers setzen und entschieden damit das hart umkämpfte Duell.
An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei Walther und seinem Team für die fairen Wettkämpfe bedanken und freuen uns auf eine Neuaustragung hier in Österreich, wenn es wieder heißt AUT-60 gegen AUT 281!
Das Kranen hat anschließend perfekt funktioniert, dank der guten Organisation musste keiner warten und so konnte dann um 20 Uhr die Siegerehrung beginnen. Ein großes Highlight hierbei war der Besuch vom Yngling Designer Jan Linge.
Zuvor gab es aber noch ein Galabuffet, wahrscheinlich das beste Essen der ganzen Woche. Denn so gut alles geplant und organisiert war, mit dem Essen hatten die Holländer ein Problem, denn manchmal fraß nicht einmal ein Hund die liebevoll zubereiteten Fleischbällchen.
Nach der Siegerehrung ging es für alle österreichischen Teams in Richtung Heimat.
Ich möchte mich an dieser Stelle für jegliche Unterstützung, die der österreichische Yngling-Club mir und meiner Crew gegeben hat recht herzlich bedanken. Vor allem bei den Gebrüder Skolaut, da sie uns bei jeder Frage, die wir hatten und sicher noch haben werden, zur Seite standen und uns nie im "Dunkeln" tappen ließen. Danke Christoph und Georg!

Seiter Martin
AUT-60
(2. bester Österreicher!!!)

Ergebnis findet ihr unter http://www.yngling.nl/ec2004