Stumme Zeitzeugen: Medizinische Bibliotheken an der Universität Wien und der Bücherraub während des NS-Regimes". Ein Projekt der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien
Seit Mai 2007 leite ich an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien das Provenienzforschungsprojekt: "Medizinische Bibliotheken an der Universität Wien und der Bücherraub während des NS-Regimes".
Ziel dieses Projektes ist die vollständige Dokumentation jener Bücher, die zwischen 1938 und 1945 geraubt und von medizinischen Klinik- und Institutsbibliotheken in Wien erworben worden sind, die Restituierung an die rechtmäßigen Eigentümer oder Rechtsnachfolger, und die Darstellung der Raub- und Verwertungsprozesse. Mehr dazu findet sich auf: Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien (MUW)
In Vorbereitung:
Teilnahme am Vierten Hannoverschen Symposium "NS-Raubgut in Museen, Bibliotheken und Archiven (9.-11. Mai 2011)- Thema des Vortrages: NS-Antiquariate und ihre Rolle im NS-Bücherraub in Wien - Ein Projekt im Rahmen der Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien
Interviews, Teilnahme an Tagungen, Publikationen im Rahmen des Projektes:
Stumme Zeitzeugen. Seit Mai 2007 läuft an der MUW ein Projekt zur Provenienzforschung um Bücher, die zwischen 1938 und 1945 geraubt worden sind, systematisch zu erfassen und an die rechtmäßigen Eigentümer oder Rechtsnachfolger zu restituieren. - In: MUW-ments. Newsletter der Medizinischen Universität Wien, Ausgabe 02/2008, S. 1 (Titelgeschichte).
Stumme Zeitzeugen. - In: Homepage der Med Uni Wien - Top Stories, 13.03.2008. ·
Walter Mentzel, Harald Albrecht, Reinhard Mundschütz und Bruno Bauer: Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien. - In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 61 (2008), H. 1, S. 7-14. Diesen Aufsatz finden sie hier als pdf file abrufbar, ·
Dazu noch: science.orf
Der Standard vom 2. Juli 2008
Tagung "Bibliotheken in der NS-Zeit, Provenienzforschung und Bibliotheksgeschichte" (Wien, 25.-27. März 2008). Im Rahmen dieser Tagung erschien im Oktober 2008 ein Aufsatz im Rahmen des Provenienzforschungsprojektes: Mentzel Walter/Bauer Bruno, Stumme Zeitzeugen. Medizinische und medizinhistorische Bibliotheken an der medizinischen Fakultät der Universität Wien während der NS-Zeit, in: Alker Stefan/Köstner Christine/Stumpf Markus (Hg.), Bibliotheken in der NS-Zeit. Provenienzforschung und BIbliotheksgeschichte, (= Publikation der Universitätsbibliothek Wien), Göttingen 2008, S. 273-290.
7. Österreichischer Zeitgeschichtetag (Innsbruck, 28.-31. Mai 2008)
Mentzel Walter/Albrecht Harald, Wiener medizinische Bibliotheken und dir Rolle von NS-Antiquariaten im NS-Bücherraub am Beispiel des Institutes für Geschichte der Medizin in Wien, in: Böhler Ingrid/Pfanzelter Eva/Spielbüchler Thomas/Steininger Rolf (Hrsg.), 7. Österreichischer Zeitgeschichtetag 2008. 1968 - Vorgeschichte - Folgen. Bestandsaufnahme der österreichischen Zeitgeschichte, Innsbruck-Wien-Bozen 2010, S. 334-343.
Opfer des NS-Bücherraubes – 10 Fälle aus medizinischen Bibliotheken in Wien: Provenienzforschungsprojekt an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien, in: GMS Medizin – Bibliothek – Information.
Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft für medizinisches Bibliothekswesen
Hier ist der Aufsatz als Pdf erhältlich.
Mentzel Walter, Provenienzforschung an der Medizinischen Universität Wien: Ergebnisse, Analysen und Forschungsperspektiven (für den Tagungsband anlässlich des 30. Österreichischen Bibliothekarstag in Graz; in Druck)
Vortrag in der Lehrveranstaltung (Proseminar - Germanistik: Lehrveranstaltungsleiter Dr. Stefan Alker) am 17. Jänner 2010 zum Thema Provenienzforschung an Bibliotheken.
NS-Antiquariate und ihre Rolle im nationalsozialistischen Bücherraub unter besonderer Berücksichtigung Wiener Antiquariate:
Der während der NS-Zeit erfolgte Raub von Büchern und Bibliotheken ist in den letzten Jahren durch zahlreiche an öffentlichen Bibliotheken im In- und Ausland durchgeführten Projekten in den Mittelpunkt des Interesses der Provenienzforschung gerückt. Diese Projekte brachten dabei eine Fülle an Informationen ans Tageslicht, die die Komplexität und Vielfältigkeit der NS-Raub- und Verwertungsökonomie und der dabei involvierten staatlichen und halbstaatlichen Institutionen sowie privater Personen und Unternehmungen aufzeigen. Dabei wurde auch in einem hohen Ausmaß die Verstrickung von Antiquariaten im NS-Bücherraub festgestellt.
Dem gegenüber steht, dass eine Analyse über die Formen und den Grad der Involvierung von NS-Antiquariaten, vor allem jener von Wiener Antiquariaten, im NS-Bücherraub noch weitgehend ausgespart geblieben ist. Antiquariate und deren Inhaber treten uns in vielerlei Hinsicht im NS-Bücherraub entgegen. Als Akteure in den Raub- und Verwertungsprozessen, wie bei den "Arisierungen" jüdischer Antiquariate oder als Glied in der Kette der NS-Raubhierarchie, wo sie uns zumeist als Profiteure von Raubgut von Deportierten oder in diversen Funktionen innerhalb der Ökonomie des Raubes wie als Schätzmeister oder Vermittler von Raubgut für Dritte in Erscheinung treten. Ihre Bedeutung bezogen sie als Drehscheibe bei der Verwertung als Anbieter des Raubgutes, wegen ihres Kundennetzwerkes, als Kenner des Büchermarktes und seiner Akteure, ihrer teilweise überregionalen Filialsysteme, und nicht zuletzt wegen ihrer engen Verflechtung zu Akteuren innerhalb des NS-Raubsystems. Ziel dieses Projektes ist die Rolle von Antiquariaten, insbesondere Wiener NS-Antiquariate innerhalb des NS-Raubes zu thematisieren.
Projektleitung: Walter Mentzel
Mitarbeiter: Harald Albrecht
Das Projekt wird gefördert von der Hochschuljubiläumsstiftung der Stadt Wien.
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