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Ansichten von Zivilinternierten im Waldviertel während des Ersten Weltkrieges. Fotografien von: Von Leopoldine Schrimpf 






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Leopoldine Schrimpf (*1890, +1974)
Von den Internierten, die in den über 80 Internierungslagern und hunderten Städten und Gemeinden der österreichisch-ungarischen Monarchie während des Ersten Weltkrieges ihr Leben fristeten, sind uns wenige fotografische Überlieferungen erhalten. Aus Sorge bildhafte Darstellungen der Internierten könnten im Ausland für eine negative Propaganda benutzt werden oder wie im Falle von deportierten Zivilisten aus den besetzten Gebieten Osteuropas und des Balkans in deren Heimat einen Widerstand entfachen, wurden strenge Zensurmaßnahmen und Fotografierverbote erlassen.
Vor allem bildliche Selbstdarstellungen der Internierten, eine fotografisch inszenierte "Geschichte des Widerstandes" und der Verfolgung sollte verhindert und damit der Versuch die eigene "Geschichte zu erzählen" unterbunden werden. Um erstaunlicher, dass über die Internierten und ihren Unterbringungsorten der Bezirkshauptmannschaft Waidhofen an der Thaya ein reichlicher fotografischer Fundus erhalten ist.
Mehr noch wurde die Verbreitung dieser Fotografien durch einen eigenen Postkartenvertrieb gefördert. Was waren die Gründe für die reiche fotografische Dokumentationsarbeit, welche Motive und stilistische Mittel können wir bei diesen Arbeiten erkennen, zu welchem Zweck wurden sie hergestellte und von wem?
Leopoldine Schrimpf, geborene Weber, wurde am 14. November 1890 in Nonndorf bei Grossau im Bezirk Waidhofen an der Thaya in Niederösterreich als Tochter einer Bauernfamilie und eines von 13 Kinder geboren. Im Februar 1914, wenige Monate vor Kriegsausbruch, begann sie in Drosendorf bei dem Uhrmacher und Fotografen Alois Schrimpf, den sie Anfang der 1920er Jahre heiraten sollte, eine Fotografinnenlehre. Zu Kriegsausbruch führte sie, während Alois Schrimpf seinen Militärdienst ableistete, dessen Geschäfte weiter. Im Februar 1917 schloss sie ihre Lehre durch eine Gesellenprüfung ab.
Von ihr stammen spätestens seit dem Herbst 1914 umfangreiche Fotoserien über die seit August 1914 im nördlichen Waldviertel internierten Zivilpersonen. Der gesamte Umfang ihrer Arbeiten aus dieser Zeit ist nicht mehr feststellbar. Heute sind noch zirka 1.000 Originalfotoglasplatten erhalten, die sich im Besitz von Reinhard Mundschütz befinden, einem entfernten Verwandten der Leopoldine Schrimpf. Im Mittelpunkt ihrer fotografischen Dokumentationen standen das Internierungslager in Drosendorf und die Internierten, die uns vor allem durch Portraitaufnahmen erhalten sind. Hier hatte sie ihr Atelier, das sie für ihre Auftragsarbeiten im Garten ihres Wohnhauses durch ein provisorisches Freiluftatelier erweiterte. Von weiteren fotografischen Arbeiten nach dem Krieg ist nichts weiter bekannt. Sie verstarb im Jahre 1974.
Vier Jahre lang bis zum Kriegsende im Jahre 1918 erregte der Bezirk Waidhofen und die hier untergebrachten Internierten internationale Aufmerksamkeit. Sie waren Objekte eines Medienkrieges und Teil eines von der österreichisch-ungarischen Monarchie geführten Prestigeprojektes, mit dem versucht wurde, auf die Behandlung der in den anderen kriegsführenden Staaten zahlreich internierten "Auslandsösterreicher" und ehemaligen Emigranten einen positiven Einfluss auszuüben. Zu diesem Zweck war den Internierten der Vertrieb "ihrer" von Leopoldine Schrimpf angefertigten Fotografien nicht nur gestattet, er wurde vielmehr medial inszeniert.
Die Ansichten und Portraits, arrangiert im Genre der Atelierfotografie um 1900, sollten Österreich-Ungarn im Ausland als ein intakter, von Kriegseinwirkungen verschonter Hort, eine letzte Bastion einer kosmopolitischen, verloren gehenden "bürgerlichen Welt", vorspiegeln. Diese positiv besetzte bildhafte Darstellung des Lebens und des Alltages der Internierten im Waldviertel wurde deswegen im Stil der vor 1914 modern gewordenen "Sommerfrische" inszeniert. Die Schrimpf'schen Fotografien über die Internierten des Waldviertels waren in diesem Kontext Teil eines global geführten Propagandafeldzuges, eines Bilderkrieges, zur Selbstdarstellung der Monarchie und zur Sicherstellung österreichisch-ungarischer Interessen sowie jener von "Auslandsösterreichern" in Europa und Übersee.
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