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Der Verein "Netzwerk-Arbeitsgemeinschaft freiberuflicher Historiker" wurde im Jahre 2005 von einer Gruppe freiberuflich arbeitender Historiker gegründet. Nach einer bereits durch Jahre hindurch erfolgreichen Zusammenarbeit sollten mit der Vereinsgründung die langjährigen und vielfältigen Erfahrungen der Mitarbeiter zusammengeführt, und somit Synergien bei der Durchführung von wissenschaftlichen Projekten erzielt werden. Derzeit arbeiten vier Historiker an mehreren zeitgeschichtlichen Projekten, die von wissenschaftlichen Forschungsarbeiten, Dokumentationen bis hin zur Durchführung von Ausstellungen reichen.
Betriebsratswahlen und Betriebsratsarbeit in der österreichischen Industrie zwischen 1945 und den 1950er Jahren.
Das Projekt setzt sich zum Ziel, eine umfassende Dokumentation und wissenschaftliche Analyse der Betriebsratswahlen und Betriebsratsarbeit in der österreichischen Industrie zwischen 1945 und den frühen 1950er Jahren zu leisten. Damit soll erstmals eine grundlegende Analyse des Aufbaus der Betriebsratsorganisationen nach 1945, der Betriebsratsarbeit und Betriebsratswahlen in einer wesentlichen wirtschaftlichen und politischen Phase der Zweiten Republik und der organisatorischen Entwicklung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes durchgeführt werden. Im Anschluss an das Projekt sollen die Entwicklung und unterschiedlichen Konzeptionen der Arbeitnehmermitbestimmung, wie sie ab 1945 in Europa anzutreffen waren, in einem Ländervergleich untersucht werden.
Inhaltliche Schwerpunkte des Projektes:
Gerade für die industriepolitisch wichtige Periode der so genannten "Trümmerzeit" und der ab 1948 beginnenden Wiederaufbauphase fehlt es an grundlegenden Untersuchungen zur Arbeitnehmermitbestimmung, den Strukturen der Betriebsratsorganisationen in den österreichischen Industrieunternehmungen und insbesondere an fundierten Daten zu den schon im Jahre 1945 vereinzelt durchgeführten Betriebsratswahlen.Erste "offizielle" Wahlergebnisse existieren in Österreich erst seit den im Herbst 1947 auf der Grundlage des im selben Jahr beschlossenen Betriebsrätegesetzes durchgeführten Betriebsratswahlen. Selbst diese Zahlen und Statistiken sind jedoch bis zum Jahre 1949 ungenau und geben vor allem keine Entwicklungslinien und nur lückenhafte Ergebnisse in den einzelnen Branchen oder Betrieben wieder. Das Projekt wird sich zunächst der Entwicklung der Betriebsratsorganisationen und den vielfältigen Funktionen und Aufgabengebieten widmen, die von Betriebsrätinnen und Betriebsräten in den österreichischen Industrieunternehmungen wahrgenommen wurden. Neben den Rahmenbedingungen für den Aufbau der Betriebsratsorganisationen stehen das Verhältnis zum Österreichischen Gewerkschaftsbund und die Handlungsspielräume von Betriebsrätinnen und Betriebsräten sowie deren Funktion in Unternehmungen im Mittelpunkt der Untersuchung.
Schon seit dem April 1945 entwickelten sich, neben den frühen Zentralisationsbestrebungen des ÖGB, zahlreiche Betriebsratsorganisationen heraus, über deren Aufbau sehr wenig bekannt ist und die in manchen Branchen und differenziert nach Regionen unterschiedlich stark ausgebildet waren. So wissen wir durch einzelne Studien beispielsweise einiges über den Aufbau einzelner Betriebsratsorganisationen in der verstaatlichten Industrie, jedoch kaum etwas über den Aufbau von Betriebsratsorganisationen in der Privatwirtschaft, in den unter öffentlicher Verwaltung stehenden Betrieben, oder in den USIA-Betrieben.
Dieser Prozess, der teilweise parallel zur Entwicklung der Teilgewerkschaften und des Österreichischen Gewerkschaftsbundes verlief und bis in die frühen 1950er Jahre immer wieder von Konflikten zwischen den Betriebsratsorganisationen und dem Österreichischen Gewerkschaftsbund begleitet wurde, fand unter unterschiedlichen und vielfältigen Rahmenbedingungen statt.
+ Die Zoneneinteilung des Landes
+ Uunterschiedliche historische und betriebsinterne Entwicklungen, die teilweise bis in die 1930er Jahren zurückreichen.
+ stark differierende Eigentumsverhältnisse und deren Veränderungen in den 1940er Jahren: "Arisierungen", "Deutsches Eigentum", Öffentliche Verwaltungen, USIA-Betriebe, Verstaatlichungen u.a.)
+ kontroverse innergewerkschaftliche Positionen und Vertretungsansprüche nach außen. Diese innergewerkschaftlichen Spannungen spiegeln sich nicht zuletzt in den Betriebsratswahlergebnissen, in den verschiedenen wahlwerbenden Gruppen und Wahlbündnissen wieder oder in der Diskussion über die zentralisierten Vertretungsansprüche des Östereichischen Gewerkschaftsbundes, die zumeist von der Konfliktstellung im "Kalten Krieg" überlagert oder instrumentalisiert worden sind.
Der Untersuchungszeitraum wird inhaltlich in drei Abschnitte untergliedert: Ein erster Abschnitt wird sich der frühen Phase zwischen der Befreiung Österreichs im April 1945 bis Ende 1945 (Bundesweite Anerkennung des ÖGB durch die Alliierten im Oktober 1945; Nationalratswahlen im Dezember 1945) widmen. Hier wird das Hauptaugenmerk auf die Konstituierung der ersten Betriebsräte und Betriebsratsorganisationen und deren Verhältnis zu dem sich etablierenden Österreichischen Gewerkschaftsbund gelegt.
Einen zweiten Untersuchungszeitraum bildet die Phase zwischen Herbst 1946 und Frühjahr 1947 ein. In diesem Zeitraum fanden nicht nur die ersten größeren Wahlbewegungen in der Großindustrie statt, die überraschende Erfolge brachten, u.a. für die KP-orientierten Wahllisten brachten, sondern es wurden auch wesentliche personalpolitische Entscheidungen und Strukturierungsmaßnahmen in der verstaatlichten Industrie getroffen, bei denen Betriebsratsorganisationen eine sehr eigenständige Position auch gegenüber dem ÖGB einnahmen. Nach der Annahme des Betriebsrätegesetzes durch das Parlament im Frühjahr 1947 fanden eine Intensivierung der Wahlbewegungen und zahlreiche Wahlwiederholungen statt, nämlich auf Grund von Wahlanfechtungen von einigen im Herbst 1946 durchgeführten Wahlen statt. Auch hier finden wir regional stark abweichende Ergebnisse, unterschiedliche Wahlbündnisse und wahlwerbende Gruppen, die erst im Laufe der 1950er Jahre schwanden.
Einen dritten Untersuchungszeitraum stellt die Phase von 1947/48 bis zum Beginn der 1950er Jahre dar, die durch eine stärkere Anbindung der Betriebsratsorganisationen an den Österreichischen Gewerkschaftsbund gekennzeichnet war.
Neben den regionsspezifischen Entwicklungen werden auch die Besonderheiten in den einzelnen Besatzungszonen untersucht. So wissen wir unter anderem wenig über die Arbeit von Betriebsrätinnen und Betriebsräten in den USIA-Betrieben. Während für die Bundesländer Niederösterreich und Burgenland einzelne Studien zu den USIA-Betrieben vorliegen, stellt Wien ein Forschungsdesiderat dar. Hier kann im Rahmen dieses Projektes dazu eine erste grundlegende Forschungsarbeit geleistet werden. Grundsätzlich lassen sich für die einzelnen Zonen unterschiedliche Entwicklungslinien konstatieren; wie erste Untersuchungsergebnisse zeigen, wurden in der Ostzone die Wahlen von Betriebsrätinnen und Betriebsräten rascher als in anderen Besatzungszonen durchgeführt, während sich in den westlichen Bundesländern die Organisationsstrukturen des ÖGB sowie einzelner Teilgewerkschaften rascher herausgebildet hatten.
Der wirtschaftliche Wiederaufbau nach 1945 war vielfach von Gegensätzen und politischen Auseinandersetzungen geprägt, unter anderem auch auf betrieblicher Ebene. Schon zu Beginn der Regierung Figl nahmen die Konflikte und die Interessengegensätze im Zusammenhang mit der Regelung der Löhne und Preise, aber auch im Hinblick auf andere wirtschaftspolitischen Fragen zu. Gleichzeitig entwickelten und etablierten sich in Ansätzen korporatistische und institutionelle Formen des Interessensausgleichs (Planungsbeiräte, Wirtschaftliches Ministerkomitee u.a.) bei denen sich langsam eine Einflussnahme des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, vor allem aber der Arbeiterkammer herausbildete, nämlich im Zusammenhang mit den legistischen Vorhaben der Regierung.
Einen zentralen Themenbereich des Projekts bilden die Handlungsspielräume von Betriebsrätinnen und Betriebsräten im Vergleich zur Ersten Republik wie auch ihr im Vergleich zur Gründungsphase und Wiederaufbauphase der Zweiten Republik schwindender Einfluss im Hinblick auf die Zeit nach 1950. Diese Handlungsspielräume ergaben sich nach 1945 unter anderem auf Grund der weitreichenden Aufgabenstellungen und Entscheidungskompetenzen von Betriebsrätinnen und Betriebsräten bei der Wiedererrichtung der Industrieunternehmungen und der Übernahme der entsprechenden Verwaltungsfunktionen. Diese Handlungsspielräume und die Arbeit von Betriebsrätinnen und Betriebsräten lassen sich erst seit der vor kurzem erfolgten Freigabe von Archivbeständen (meist staatlicher Herkunft) für die Forschung dokumentieren. Dass die Betriebsrätinnen und Betriebsräte in der Frühphase der Zweiten Republik ihre Handlungsspielräume auszufüllen wussten, zeigt sich unter anderem in den häufig zwischen der Bundesregierung und Betriebsrätinnen sowie Betriebsräten direkt gepflogenen Verhandlungen, beziehungsweise ihre Funktionen in den wirtschaftlichen Planungsstäben der Betriebe, bei der Bestellung von öffentlichen Verwaltern in den Industriebetrieben oder bei der Einschaltung in die wirtschaftspolitischen Verhandlungen zwischen den Alliierten und den österreichischen Regierungsstellen.
Bearbeiter: Dr. Walter Mentzel und Mag. Robert Grandl
Projektleitung: Dr. Brigitte Pellar
Das Projekt wurde gefördert vom Jubiläumsfonds der Öesterreichischen Nationalbank
Alfons Poller und das Institut für Darstellende Medizin an der Universität in Wien
Alfons Poller, geboren 1879 in Trautenau, studierte in Wien Philosophie und Medizin.
1915 -1918 Vorstand des „Moulagenlaboratoriums“ der Kaiser-Wilhelm-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen in Berlin, 1919 übernahm er das in diesem Jahr gegründete „Institut für Darstellende Medizin“ an der Universität in Wien, das er bis zur Schließung 1923 leitete. Er ist der Begründer einer neuen Art von „Abformungen“ mit „Negocoll“, einer Abdruckmasse.
1924 wurde ihm ein eigenes Labor (die „Abformabteilung des Erkennungsamtes der Bundespolizeidirektion Wien“) im Polizeigefängnis zu kriminalistischen Zwecken eingerichtet, in dem er bis zu seinem Tod im September 1930 kriminalistische Moulagen von Schuh-, Fuß-, Bissspuren und Tatwerkzeugen anfertigte.
Die Erforschung seines Lebens und seines Werkes ist Gegenstand dieses Projekts.
Bearbeiter: Dr. Reinhard Mundschütz
Ankündigungen:
Der Verein Netzwerk-Arbeitsgemeinschaft freiberuflicher Historiker unternahm im Frühjahr 2007 in Kooperation mit der Waldviertel Akademie ein Ausstellungsprojekt zum Thema: "Fern der Heimat - Deportationen und Internierungen von Zivilisten im Ersten Weltkrieg in Österreich-Ungarn". Die Ausstellung wurde am 27. April 2007 im Museum der Stadt Waidhofen an der Thaya von Dr. Reinhard Mundschütz eröffnet und war bis zum 28. Mai 2007 zu besichtigen.
Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipert und wird 2008/09 an weiteren Orten gezeigt werden. Mehr dazu: >>>mehr
Das Konzept für die Ausstellung wurde von Dominik Lang in Zusammenarbeit mit Dr. Walter Mentzel erstellt.
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