Das Buch zum Thema:
Deutschsprachige Kinder- und Jugendzeitschriften
Leseprobe, Rezension, Bezugsmöglichkeiten

Dideldum
Die lustige Kinderzeitung
Teil 1

Die Kinderzeitung
Dideldum

war eine der originellsten und bekanntesten Kinderzeitungen der Zwischenkriegszeit in Deutschland Sie erschien von 1929 bis 1941 und zwar zunächst im Verlag Belog und ab 1933 im Verlag Gerhard Stalling
Dideldum wurde von dem 1901 in Wien geborenen Grafiker Otto Waffenschmied gestaltet.

Begonnen hat alles in Wien, kurz nach dem ersten Weltkrieg.

In Wien wurden erst im Studienjahr 1920/21 an der Akademie der bildenden Künste Frauen als Studierende zugelassen.
Bis dahin stand weiblichen Studierenden allerdings schon die renommierte Kunstgewerbeschule des Museums für Kunst und Industrie offen.
So studierte etwa auch die bekannte Zeichnerin Marianne Frimberger an der Wiener Kunstgewerbeschule.
Die heutige Universität für angewandte Kunst in Wien am Stubenring (links) war 1867 vom "Österreichisches Museum für Kunst und Industrie" als Kunstgewerbeschule gegründet worden und unter namhaften Lehrern wie J. Hoffmann, K. Moser und A. Roller zu hohem Ansehen gelangt. Der Unterricht war von vornherein auf die Forderungen und Bedürfnisse der graphischen Industrie ausgerichtet.

1919 schlossen sowohl der 1901 in Wien geborene und aufgewachsene Otto Waffenschmied als auch Ida Bohatta, die sich bald als Illustratorin von Kinderbüchern einen Namen machen sollte, ihr Studium an der Wiener Kunstgewerbeschule ab.
Eine Studienkollegin von ihnen war die 1901 in Berlin geborene Eva Steinkrauss, die spätere Ehefrau von Otto Waffenschmied.
Anfang der 20er Jahre verließ Otto Waffenschmied Österreich. Über seinen Werdegang in den folgenden Jahren ist nichts näheres bekannt. Eva Steinkrauss war hingegen 1927 Mittarbeiterin der Wiener Kinderzeitung Schmetterling.

1926 war in Wien der Verlag Hellmuth Mielke & Co, als dessen Eigentümer Hans Steinsberg firmierte, mit den Kinderzeitungen Papagei und Schmetterling herausgekommen. Zeitschriften dieser Art boten nicht nur etablierten Zeichnern ein willkommenes und vor allem regelmäßiges Zubrot, sondern auch jungen Künstlern die Möglichkeit, zu veröffentlichen und zu lernen.
Auch Eva Steinkrauss zeichnete 1927/28 für den Schmetterling. Links ein von ihr geschaffenes Titelblatt ( 2. Maiheft 1927).
Bald darauf muss Eva Steinkrauss aber nach Deutschland gegangen sein. Wir finden sie dort (nunmehr) als Eva Waffenschmied, Ehefrau ihres ehemaligen Studienkollegen Otto Waffenschmied wieder.

1929 erschien Dideldum, die lustige Kinderzeitung zum erstenmal im Verlag Belog. Sowohl die formale Gestaltung der Hefte als auch das Vertriebskonzept entsprachen jenem der bereits auf dem Markt befindlichen, erfolgreichen Werbekinderzeitungen, allen voran Schmetterling und Papagei. Die Zeitung konnte über den Buchhandel oder vom Verlag selbst bezogen bzw. abonniert werden. Ein leeres Feld am Cover (siehe Abbildung) war für einen Firmenaufdruck gedacht. Firmen, welche die Zeitung kauften, konnten sie dann den Kindern ihrer Kunden als Werbeschenk überreichen.
Die Geschichte des Dideldum ist aber eng mit jener der Fa. Karstadt verbunden. Otto Waffenschmied war für das Karstadt- (und auch Althoff-) Magazin für Mode, Heim und Welt als Zeichner tätig und konnte Karstadt als Hauptabnehmer für seine Kinderzeitung gewinnen.


1929 eröffnete die Fa. Karstadt, die in Hamburg ihren Firmensitz hatte, mit ihrem neuen Kaufhaus am Hermannplatz in Berlin das größte Kaufhaus Deutschlands, das modernst eingerichtet war, neben einem reichen Warenangebot auch zahlreiche kulturelle Veranstaltungen bot und geradezu zu einem Ausflugsziel wurde. Zur Werbestrategie der Fa. Karstadt gehörte es auch mit der Kinderzeitung Dideldum eine eigene Kinderzeitung zu führen, welche an Kinder von Kunden kostenlos abgegeben wurde (vgl. Kinder als Kaufmotivatoren)
Wenngleich Dideldum auch an andere Firmen abgegeben wurde, wird man davon ausgehen können, dass Karstadt der Hauptdistributor war.

Obwohl auch der Verlag Steinsberg seine Zeitungen teilweise an Karstadt und andere deutsche Firmen absetzen konnte, blieb die Vormachtsstellung des Dideldum im norddeutschen Raum als "Die" Kinderzeitung unangefochten, während sie in Österreich relativ weing bekannt war.

1933 musste sich die Fa. Karstadt mit den neuen Machthabern arrangieren, was auch in der Personalpolitik seinen Niederschlag fand.
Ab 1933 wurde Dideldum nicht mehr bei Belog verlegt, sondern vom Verlag Stalling, der beste Kontakte zu Wehrmacht und Partei hatte.
Dideldum hielt sich aber inhaltlich wie die meisten Kinderzeitungen dieser Zeit unpolitisch.
1941 wurde Dideldum kriegsbedingt eingestellt.
1945, in den letzten Kriegstagen, wurde das Kaufhaus Karstadt in Berlin zerstört.
Otto Waffenschmied starb 1971 in Hamburg.

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