Österreichisches Notgeld 1918 - 1920

Teil 1

Geschichtlicher Hintergrund

Notgeld ist Ersatzgeld, das neben den staatlichen Banknoten und Münzen als Zahlungsmittel dient und dessen Wert sich primär an der offiziellen Währung, manchmal aber auch an bestimmten Sachwerten orientiert. Notgeld wird meist, aber nicht immer mit staatlicher Billigung von Gemeinden oder Wirtschaftsverbänden, in seinen Vorformen vereinzelt auch von Privaten herausgegeben und dient in der Regel als Ersatz für fehlende gesetzliche Zahlungsmittel.

In der Österreichischen Währungsgeschichte finden wir Notgeld bereits in der Zeit um 1848 (Revolution und Loslösungsversuch Ungarns) und ab 1859 (Krieg in dem nach Einigung strebenden Italien, das zum Teil zur Habsburgermonarchie gehörte). In diesen Zeiten politischer Unsicherheit horteten die Menschen Metallgeld, wodurch die Münzen, insbesondere die Silbermünzen aus dem Verkehr gezogen wurden und dadurch kleinere Währungseinheiten fehlten. Diesem Mangel wurde zunächst durch Kaufleute mit bei ihnen in Geld einlösbaren Zetteln , später durch den Staat selbst abgeholfen, indem vorübergehend und regional beschränkt (Böhmisches Notgeld) Banknoten mit ehemaligen Münzwerten gedruckt wurden.

Zu Beginn des ersten Weltkrieges galt in der Habsburgermonarchie die 1892 eingeführte Kronenwährung (1 Krone = 100 Heller); Vorher waren Gulden und Kreuzer die Währungseinheiten gewesen.

Bereits währendes des Krieges begann sich der Verfall der Kronenwährung abzuzeichnen. Die Gold und Silbermünzen wurden gehortet, später verschwanden auch die Scheidemünzen aus Kupfer und Nickel. Ende 1918 fehlten vor allem Scheidemünzen als Wechselgeld, sodass mit offizieller Billigung öffentliche Körperschaften und Institutionen begannen, selbst gedruckte kleine Banknoten herauszugeben, welche die fehlenden Scheidemünzen ersetzten.

Vor allem Gemeinden, auch kleinere Ortschaften, erwiesen sich dabei als sehr kreativ . Insgesamt wurden von weit über 1000 Stellen ganz verschiedene Notgeldgeldscheine herausgegeben. Als Sammler Interesse an diesen Notgeldscheinen zeigten, wurden die Scheinchen immer aufwendiger und origineller gestaltet, verloren bald ihren eigentlichen Zweck als Zahlungsmittel und wurden in grosser Stückzahl für einen ständig wachsenden Sammlermarkt gedruckt. Sammlalben wurden herausgegeben, eigene Notgeldausstellungen fanden statt und Händler schlugen auf Märkten und öffentlichen Plätzten ihre Stände auf um mit Notgeldscheinen zu handeln.

Für die Gemeinden, welche die Scheine herausgaben und sich verpflichtet hatten, sie bis zu einem festgesetzten Zeitpunkt auch wieder in gesetzliche Zahlungsmittel einzulösen, war das recht lukrativ. Denn Scheine, die in (auch ausländischen) Sammelalben verschwanden, brauchten nicht mehr eingelöst werden; ansonst sorgte die zunehmende Inflation für einen satten Gewinn gegenüber dem Ausgabepreis.

Die Sache nahm schließlich solche Ausmaße an, dass sich die Obrigkeit veranlasst sah, die weitere Ausgabe von Notgeld zu verbieten, nicht nur, weil diese Maßnahme letztlich ihren Zweck verfehlte, sondern auch weil bedeutende Mengen an Papier (!) dem wirtschaftlich notwendigen Export entzogen wurden. Schließlich beendete aber auch die Inflation das 'Notgeldfieber', weil kleine Währungseinheiten nicht mehr benötigt wurden.

Anfängliche Versuche, mit den Nachfolgestaaten der Donaumonarchie eine Währungsunion auf Basis der bestehenden gemeinsamen Kronenwährung zu bilden, scheiterten nämlich und Österreichische Kronenbanknoten (ebenso wie Briefmarken) wurden mit dem Aufdruck "Deutschösterreich" versehen Die Bezeichnung Deutschösterreich wurde von den Siegermächten 1919 verboten und findet sich daher kaum auf Notgeldscheinen. Österreich konnte ebensowenig wie Deutschland und Ungarn seine Währung stabilisieren. Mitte 1921 geriet die Inflation ausser Kontrolle und der drohende Staatsbankrott zeichnete sich ab. 1924 kostete beispielsweise eine Kinderzeitung (Der Regenbogen) 25.000 Kronen. Mit Gesetz vom 20. Dezember 1924 erfolgte eine umfassende Währungsreform und die Schillingwährung wurde eingeführt.Der Umrechnungskurs betrug 10.000 Kronen für 1 Schilling.

Notgeldscheine sind aber nicht nur ein Sammelobjekte sondern ach ein Spiegelbild der Zeit, in der sie entstanden. Auf der folgenden Seite finden Sie dazu Bildbeispiele.

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"Zur Behebung der herrschenden Hartgeldnot..." (mit Bildbeispielen)
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