Österreichisches Notgeld 1918 - 1920

Teil 6: Bildbeispiele

"Mehr Charakter, sonst gar nichts tut uns not,.."


Gemeinde Oberalm

"Mehr Charakter, sonst gar nichts tut uns not, / Um uns die Achtung der Welt zu gewinnen"


Gemeinde Niederwaldkirchen

"Der Weltkrieg schlug uns schwere tiefe Wunde / Die Arbeit nur lässt wieder uns gesunden."

Marktgemeinde Ottensheim

"Notgeld! Viele werden lächeln, / Spotten dessen, der es schafft; / Aber auch das Notgeld predigt / Deutsche Zähigkeit und Kraft."


Stadtgemeinde Krems

Rückseite:

O, gib, daß wir, der Deutschen Äußerste,.../ ....Wie Brüder kehren in der Eltern Haus!
Grillparzer, König Ottokars Glück und Ende."


Gemeinde Pram

Rückseite:

"Oberösterreicher, gedenket immer / daß ihr Deutsche seid!"

Stadtgemeinde Pöchlarn
"Die Zeit ist schlimm, die Welt ist karg / Die Besten weggerafft, / Die Erde wird ein grosser Sarg / der Freiheit und der Kraft. / Doch Mut - wenn auch die Tyrannei / Die deutsche Flur zertrat: / In vielen Herzen still und treu, / keimt doch des guten Saat.
Th. Körner"


Blättert man die alten Notgeldalben aufmerksam durch, öffnet sich ein Fenster in eine längst vergangene Zeit und läßt erahnen, was die Menschen damals bewegte.
Die glanzvolle Donaumanarchie der Habsburger, die wenig mehr als hundert Jahre zuvor in den napoleonischen Kriegen entstanden war, gab es nicht mehr. Sie war in zahlreiche selbständige Einzelstaaten zerfallen und "Der Rest ist Österreich", wie Frankreichs Premier Clemenceau 1919 den verbleibenden, kleinen deutschsprachigen Teil der ehemaligen Monarchie umschrieb. Im ganzen Land herrschte Not, die darniederliegende Wirtschaft des Kleinstaates mit der überdimensionierten Hauptstadt des ehemaligen Großreiches, Wien schien kaum überlebensfähig. Dem damals für viele naheliegenden Gedanken sich (wieder) an Deutschland anzuschließen schoben die Siegermächte einen Riegel vor und verboten sogar die Bezeichnung Deutschösterreich.
Die oft unbeholfenen Verschen auf den Notgeldscheinen geben die Stimmung wieder: Not, ein verlorener Krieg, Kummer über die erlittenen Verluste, Demütigung durch die Siegermächte und ein trotziges Aufbäumen in einer neuen ungewissen Zeit. Selbst dort, wo gescherzt wird, kommt keine wirkliche Heiterkeit durch, sondern ein Art Galgenhumor ist deutlich zu spüren.
Und wie wir aus der Geschichte wissen, sollte das Schlimmste erst kommen.


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