Iwan Iwanowitsch und Daniel Düsentrieb

In den 50er Jahren erhielt ich ein naturwissenschaftliches Lexikon, das aus Ostdeutschland stammte. Neben einer Fülle von Fakten konnte ich dem biografischen Teil mit Staunen entnehmen, dass fast jede wichtige Erfindung von russischen (sowjetischen) Wissenschaftlern und Ingenieuren gemacht worden war. Wieso ich darauf komme?

Als Freund der Kinderliteratur kennen Sie ihn sicher: Ein zerstreuter, genialer Erfinder, der die sonderbarsten Erfindungen macht und von einer kleinen roboterähnlichen Maschine begleitet wird, die bisweilen ein verspieltes Eigenleben entwickelt, aber sonst sehr hilfreich ist. Natürlich: Daniel Düsentrieb und sein Helferlein


Daniel Düsentrieb (Im englischen Original: Gyro Gearloose) wurde 1952 vom 'Donald-Zeichner' Carl Barks erfunden und tritt meist mit Donald und Dagobert Duck auf. Für seinen Arbeitgeber Dagobert Duck macht er Erfindungen auf Bestellung und bei Problemen hilft ihm sein kleiner Roboter Helferlein. Von Dr. Erika Fuchs, der Übersetzerin der Donald-Geschichten, stammt der auf Daniel Düsentrieb bezogene Satz: "Dem Inginiör ist nichts zu schwör", der inzwischen zum geflügelten Wort wurde.

Im Oktober 1946 erschien in der Kinderzeitung Unsere Zeitung unter dem Titel 'Der zerstreute Zauberer (Märchen aus dem Russischen)' eine Erzählung in zwei Teilen. Hauptperson war Iwan Iwanowitsch Sidorov, der so beschrieben wird:

...... Das war so ein geschickter Ingenieur, dass er euch in wenigen Sekunden riesige Maschinen, groß wie Paläste oder klein wie Uhren konstruieren konnte.......Iwan Iwanowitsch war ein sehr gütiger Mann, aber schrecklich zerstreut. Es kam sehr oft vor, dass er zum Beispiel auf die Straße ging und zwei Hüte auf einmal aufhatte, oder er vergaß zu seinen Besprechungen zu gehen. Da leistete ihm aber die kleine Maschine wirklich große Dienste. Sie erinnerinnerte ihn an seine Konferenzen oder sie lief ihm nach und versuchte seine Zerstreutheit auszubessern.....


Iwan Iwanowitsch und sein Helferlein


....Aber seine Lieblingsmaschine war nicht grösser als eine Katze, treu wie ein Hund und geschwätzig wie eine grosse Person. Wenn Iwan Iwanowitsch von zu Hause fortging, so antwortete die Maschine für ihn am Telefon, bereitete die Mahlzeiten und öffnete die Tür, wenn es läutete. In der Nacht zerlegte sich diese zauberhafte Maschine selbst in kleine Teile und am anderen Tag stellte sie sich wieder zusammen und rief: "Meister, hallo, Meister, es ist Zeit aufzustehen!"...
Andererseits war die Maschine aber auch recht verspielt.
....Der Zauberer erklärte ihm die Zusammensetzung der Maschine. Diese lief während der Zeit den Schmetterlingen nach und klingelte ununterbrochen mit der Glocke..

Die Geschichte vom Ingenieur und Zauberer Iwan Iwanowitsch und seinem 'Helferlein' war nicht sehr bedeutend, fand keine Fortsetzung und geriet völlig in Vergessenheit. Ich bin auch davon überzeugt, dass sie Barks nicht kannte.
Aber gefreut hat es mich schon, dass ich bei Durchsicht alter Kinderzeitungen wieder draufgekommen bin, an wen mich Daniel Düsentrieb und sein Helferlein schon immer erinnert haben.

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